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Agilität verspricht hohe Kundenzufriedenheit, da Wünsche des Auftraggebers schnell und flexibel berücksichtigt werden können. Außerdem sollen Arbeitszufriedenheit und Motivation sowie Produktivität im Prozess gesteigert werden. All diese Vorteile ergeben sich allerdings nicht automatisch allein durch die Einführung agiler Arbeitsweisen. Insbesondere die Geschäftsführung muss hier von Anfang die richtigen Weichen stellen.

Zwischen agilen Methoden und agilem Mindset besteht ein ausgesprochen wichtiger Unterschied. Während die agilen Methoden beschreiben, wie man agil handeln und in der Entwicklung agil vorgehen kann, geht es beim Mindest darum, auch wirklich agil zu sein. Erst die Verinnerlichung des agilen Mindsets sorgt dafür, dass die erwünschten Potenziale durch Agilität auch langfristig zur Entfaltung kommen.

Arbeitsvorschriften versus Selbstorganisation

Die Einführung von Agilität bedeutet in erster Linie für die Geschäftsführung ein radikales Umdenken in der Art und Weise, wie die alltägliche Arbeit organisiert wird. Es ist ausgesprochen viel Mut und Geduld nötig, Mitarbeitenden die Verantwortung zu übertragen, sich selbst als Team zu organisieren. Die Geschäftsführung übernimmt selbstverständlich auch weiterhin die Aufgabe, strategische Entscheidungen zu treffen und gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um Unternehmenserfolg langfristig zu gewährleisten. Allerdings wie Mitarbeitende zu Arbeitsergebnissen kommen, sollte ihnen maximal selbst überlassen werden.

Kontrolle versus Synchronisation

Selbstorganisation bringt für agile Teams ein großes Maß an gegenseitigem Austausch und Abstimmung untereinander mit sich. Arbeitsfortschritte und Schwierigkeiten im Vorankommen werden nicht zuletzt in Daily Stand Ups regelmäßig und transparent dokumentiert. Mitarbeitende erleben dies oft als Kontrolle und nicht selten setzt sie das ständige Berichten unter hohen Druck. Mittleres Management und Geschäftsführung müssen daher für eine Unternehmenskultur sorgen, die ein präzises und konstruktives Reporting unterstützt. Auch negative Punkte, wie mangelnde Kompetenzen, Blockaden oder Fehler müssen unbefangen und beherzt geäußert werden dürfen.

Hierarchie versus Augenhöhe

Agiles Arbeiten heißt, dass sich Mitarbeitende und Geschäftsführung auf Augenhöhe begegnen. Eine direkte Kommunikation nach oben sollte ohne große Hürden für jeden möglich sein, was in erster Linie Vertrauen, aber auch einen konstruktiven Veränderungswillen bei allen Beteiligten voraussetzt. Dies gilt sowohl für die Geschäftsführung, welche die Anliegen der Mitarbeitenden ernst nehmen sollte, genauso wie für die Mitarbeitenden, die Verantwortung nicht allzu leicht wegschieben, sondern allen voran für sich selbst überlegen sollten, wie sie zu Verbesserungen und Lösungen beitragen können.  

Was ist bei der Einführung und Umsetzung von Agilität zu beachten?

Geschäftsführung und Management müssen dafür sorgen, dass nicht nur agile Arbeitsmethoden eingeführt werden, sondern auch, dass sich das Unternehmen als Ganzes für ein agiles Mindset öffnet. Wird die Schaffung eines agilen Mindsets über die Unternehmenskultur nicht vermittelt, können agile Methoden unter Umständen sogar ins Gegenteil umschwenken, Produktivität und Kreativität ausbremsen, Mitarbeitende unter Druck setzen und für hohe Fluktuation sorgen. Erst gegenseitiges Vertrauen, eigene Verantwortung für sich und sein Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu übernehmen, Mut neue Wege auszuprobieren und sich in seinem Team auf Regeln der gemeinsamen Zusammenarbeit und Kooperation zu verständigen, sind wichtige Werte einer Unternehmenskultur, die den Erfolg agiler Methoden wahrscheinlich macht.


04.01.19

Kontakt

Antonia Föhl
  • Technische Universität Berlin
  • Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability
Dr. Michael Minge
  • Technische Universität Berlin
  • Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability

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