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Photo by Roberto Nickson on Unsplash

Arbeit gibt unserem Leben Struktur, sie verschafft uns Kontakt zu anderen Personen, sie gibt uns Sinn und hilft uns dabei, uns wirksam zu erleben. Wie wir das auch im Homeoffice hinkriegen können, zeigt dieser Text.

Die Ausbreitung des Corona-Virus zwingt uns alle dazu, unser Leben insgesamt und unser Arbeitsleben im Speziellen zu verändern. Wir möchten Sie dabei unterstützen, diese Veränderungen nicht nur als Belastung wahrzunehmen, sondern als Herausforderung. Wir sind vor die Aufgabe gestellt, Flexibilität zu zeigen und neue Wege zu finden. Dies betrifft ganz praktische Fragestellungen: Wie können wir weiterhin unserer Arbeit nachgehen, welche Tools und Hilfsmittel können wir hierfür verwenden? Wie organisieren wir uns im Homeoffice? Arbeit definiert sich jedoch nicht nur durch solche praktischen Aspekte. Unsere Studien haben gezeigt, dass unsere Arbeit eine Quelle für eine ganze Reihe positiver Erlebnisse ist: Wenn wir Dinge erledigen können, sehen wir, dass wir vorankommen, wenn wir als Gruppe gemeinsam an Projekten arbeiten, fühlen wir uns als Teil eines Ganzen, wenn wir eine Herausforderung meistern, fühlen wir uns kompetent. Wir haben in sehr vielen Interviews positive Erlebnisse am Arbeitsplatz gesammelt und diese dann kategorisiert. Hieraus entstanden Erlebniskategorien, die Möglichkeiten für positive Erlebnisse am Arbeitsplatz zusammenfassen. Wir möchten hier ein paar Überlegungen dazu anstellen, wie wir es schaffen können, diese positiven Erlebnisse in der Arbeit auch in Zeiten von Corona zu erleben, wenn wir gezwungen sind, mobil zu arbeiten. Bei dieser Betrachtung geht es uns nicht darum, die Situation schön zu reden. Unser Ziel ist es, Hindernisse und Probleme konstruktiv zu lösen und gleichzeitig den Blick auf die Aspekte zu lenken, die uns in dieser herausfordernden Zeit Möglichkeiten für positives Erleben bieten (Lyubomirsky, 2008, p. 125).

In unserem Werkzeugkasten finden Sie die Erlebniskategorien als Kartenset. Positive Erlebnisse am Arbeitsplatz lassen sich meist drei Dimensionen zuordnen: Zusammenarbeit, Selbstwirksamkeit und Bedeutung/Sinn. Im Folgenden möchten wir Ihnen praktische Ideen an die Hand geben und den Bezug zu den Erlebniskategorien aufzeigen:

(1) Zusammenarbeit

Hierunter fallen die Erlebniskategorien Feedback bekommen, Feedback geben, Wertschätzung, Helfen, Hilfe bekommen, Anderen etwas beibringen, mit Leuten in Kontakt kommen, gegenseitiger Austausch, gemeinsam etwas schaffen.

Das Bedürfnis nach Verbundenheit also nach Austausch und Kontakt mit anderen ist ein fundamentales psychologisches Bedürfnis (Deci & Ryan, 2000). Dies zeigt sich auch darin, dass sich sehr viele positive Erlebnisse am Arbeitsplatz diesem Bedürfnis zuordnen lassen. Bei der Arbeit treffen wir auf Kollegen, haben die Möglichkeit zum Gespräch. Im Homeoffice fällt dieses physische Aufeinandertreffen weg. Gerade Menschen, die alleine leben, verlieren hierdurch eine wichtige soziale Ressource.

  • Stellen Sie Überlegungen dazu an, wie Sie diesem Bedürfnis anders nachkommen können: Anstatt nur über Email zu kommunizieren, richten Sie regelmäßige Telefonate, Telefon- oder Videokonferenzen ein. Behalten Sie Teammeetings bei, vielleicht denken Sie sogar über eine gemeinsame Mittagspause nach, die Sie zusammen per Videoschalte verbringen.
  • Durch den Mangel an sozialem Kontakt fällt auch die Möglichkeit zu wertschätzendem Austausch geringer aus. Legen Sie daher gerade jetzt Wert darauf, einen freundlichen wertschätzenden Umgang zu wahren. Bedanken Sie sich bei Ihren Kollegen über wertvolle Arbeit, schreiben Sie lieber ein „Dankeschön“ zu viel als zu wenig. Gerade auch als Vorgesetze sollten Sie darauf bedacht sein, Ihren Mitarbeitern weiterhin Lob und Anerkennung auszusprechen.
  • Dem Bedürfnis nach Kompetenz kann auch auf technologievermitteltem Wege Rechnung getragen werden. Informieren Sie Kollegen, wenn ein gemeinsames Projekt erfolgreich war, kommunizieren Sie lieber mehr als vorher da der „Flurfunk“ ja erst Mal wegfällt. Bieten Sie Ihre Hilfe konkret an und fragen Sie nach, in fragende Gesichter werden Sie bis auf Weiteres nicht schauen, daher muss Unterstützung aktiv angeboten werden. Dasselbe gilt für die Bitte um Unterstützung: Machen Sie sich klar, Sie sind weiterhin Bestandteil eines Teams und Ihre Kollegen sind weiterhin Ihre Ressource, Sie müssen diese jedoch aktiv einfordern.

(2) Selbstwirksamkeit

Hierunter fallen die Erlebniskategorien Herausforderung meistern, Herausforderung bekommen, etwas austüfteln, Kreativität erleben, etwas erledigen, Überblick haben.

Durch den geringeren sozialen Kontakt fallen auch Möglichkeiten weg, sich selbstwirksam zu fühlen, indem man zum Beispiel über die eigene Arbeit oder die eigene Leistung spricht.

  • Damit die geleistete Arbeit eines Tages trotzdem nicht untergeht, sollten Sie Aufgabenlisten führen. Wenn eine Aufgabe erledigt ist, dann diese nicht aus einer Datei löschen, sondern als erledigt kennzeichnen, so dass das Geschaffte sichtbar bleibt. Das ist sehr simpel, aber sehr positiv wirksam.
  • Die Positive Psychologie beschäftigt sich damit, was Menschen glücklich macht. Aus dieser Theorie heraus, gibt es eine Maßnahme, die ebenfalls sehr einfach ist, aber nachgewiesen sehr positive Effekte erzeugt: Schreiben Sie am Abend drei positive Ereignisse Ihres Arbeitstages auf und tun Sie dies während die Homeofficearbeit anhält.
  • Planen Sie Ihren Tag und legen Sie die Aufgaben fest, die Sie schaffen möchten, so können Sie sich selbst Herausforderungen stellen und sich nach getaner Arbeit darüber freuen, wenn Sie diese auch gemeistert haben.

(3) Bedeutung / Sinn

Hierunter fallen die Erlebniskategorien Neues kennenlernen, Zu etwas Höherem beitragen.

Für uns alle ist diese Zeit anstrengend, aber vielleicht können wir manche Erkenntnisse auch nutzen, um unser Zusammenleben und unser Zusammenarbeiten noch bewusster und wohlwollender zu gestalten: Gemeinsam mit Menschen zu arbeiten, ist ein Privileg, das uns erst deutlich wird, wenn es uns genommen wird.

  • Machen Sie sich dieses Privileg auch in der Zukunft immer wieder bewusst, indem Sie einen freundlichen und großzügigen Umgang miteinander pflegen. Wir sind in diesen Zeiten ausgebremst, können nicht mehr agieren wie bisher. Doch so manchem fällt bereits auf, dass hierin auch Chancen liegen: Weniger Reisetätigkeiten bieten die Möglichkeit mehr inhaltlich zu arbeiten. Das Erfordernis, technologievermittelt zu kommunizieren und sich austauschen, Veranstaltungen online stattfinden zu lassen, gibt uns die Chance, neue Technologien kennenzulernen.

Unser Bedürfnis nach Sicherheit wird in diesen Tagen auf eine Probe gestellt. Aber wir können uns ein Gefühl von Sicherheit erhalten, wenn wir uns auf unsere Routinen konzentrieren.

  • Arbeit kann hierfür eine wichtige Ressource sein: Behalten Sie sich Ihren Tagesablauf bei, halten Sie sich an Ihre Termine.
  • Versuchen Sie nicht alles abzusagen, sondern finden Sie andere Formate: Veranstaltungen können remote durchgeführt werden, regelmäßige Besprechungen weiterhin stattfinden nur eben über Telefon oder Video. Natürlich müssen wir uns alle in diesen Zeiten flexibel zeigen, das bedeutet jedoch nicht, dass jegliche Struktur verloren gehen muss. Es bilden sich auch neue Routinen, die gepflegt werden können.

Bedeutsamkeit in der Arbeit zu finden ist ein wichtiger Motor, der Arbeit zu einem tiefen positiven Erlebnis werden lässt.

  • Manchmal ist es nicht ganz offensichtlich, aber das, was Sie tun kommt anderen Menschen zu Gute, ja ist wichtig für sie. Das können Kolleginnen und Kollegen sein, die ihr Arbeitsergebnis weiterverwenden, Kunden die ihre Arbeitsergebnisse vielleicht im Kontext eines Produktes nutzen und schließlich das Unternehmen für das Sie arbeiten.

Eine weitere Komponente von Sinnerleben in der Arbeit ist ein Gefühl von Zugehörigkeit zu ihrem Team oder ihrem Unternehmen.

  • Stehen Sie in Ihren Unternehmen zusammen, unterstützen Sie sich und seien Sie geduldig. Sie werden gemeinsam durch diese Zeit kommen und im besten Fall nehmen Sie für sich und Ihr Unternehmen neue Erkenntnisse mit, die Sie auch in Zukunft in Ihre Organisation tragen können.

 

Literatur

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2000). The " What " and " Why " of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry : An International Journal for the Advancement of Psychological Theory, 11(4), 227–268.

Lyubomirsky, S. (2008). Glücklich sein- Warum Sie es in der Hand haben, zufieden zu leben. Frankfurt am Main: Campus Verlag GmbH.


19.03.20

Kontakt

Prof. Dr. Michael Burmester
Dr. Magdalena Laib

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