1
2
3
4
5
6

Eine neue Studie von Autoren der Universität Oxford zeigt, dass Handy-Apps das Coronavirus, neben weiteren Maßnahmen, wirksam bekämpfen können. Unterdessen bietet das österreichische Rote Kreuz bereits eine App, die es ermöglicht, die Corona-Infektionsketten zu unterbrechen. Es handelt sich um ein Kontakt-Tagebuch, in dem persönliche Begegnungen mittels eines "digitalen Handshake" anonymisiert gespeichert werden.

Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus mehren sich die Rufe nach digitalen Lösungen, zur Bekämpfung der Ausbreitung. Wie Kanzleramtsminister Helge Braun dem Nachrichtensender n-tv mitteilte, sei eine Tracking-App der Bundesregierung bald einsatzbereit. Währenddessen habe Forscher der Uni Oxford herausgefunden, dass Apps das Virus tatsächlich wirksam bekämpfen können.

In der Studie um die Autoren Luca Ferretti und Christophe Fraser, die vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift “Science” erschienen ist, zeigen mathematische Modellierungen, dass digitale Apps die Ausbreitung des Coronavirus erheblich verzögern und somit eindämmen können. Grundlage der Studie ist die Beobachtung von Übertragungspaaren, also die Zeit, wie lange es von Infektion zu Infektion (sog. Serienlänge) bzw. von Symptom zu Symptom (sog. Generationszeit) dauert. Da die Serienlänge schwierig zu bestimmen ist, bedienten sich die Wissenschaftler der Generationszeit in Näherungsverfahren.

Auf Basis des Kennwerts R0, der das Ausmaß der Ansteckungsrate widergibt, und im Modell der Wissenschaftler auf 2 festgesetzt wurde (d.h. eine infizierte Person steckt durchschnittlich zwei Menschen an), konnten folgende Anteile berechnet werden:

  • Präsymptomatische Übertragungen: Hierbei überträgt eine Person das Virus, ohne schon Symptome zu zeigen. Dieser Anteil liegt laut Berechungen bei 0,9 von R0 (=2). Der Anteil an präsymptomatischen Übertragungen an allen Übertragungen liegt also bei ca. 46 Prozent!
  • Asymptomatische Übertragungen: Hierbei überträgt eine Person das Virus, ohne überhaupt Symptome zu zeigen. Anteil laut Berechnungen bei 0,1 von 2.
  • Symptomatische Übertragungen: Hierbei überträgt eine Person das Virus, wenn sie Symptome zeigt: Anteil: 0,8 von 2.
  • Umweltübertragungen: Hierbei wird das Virus durch die Umwelt, also z.B. im Supermarkt, übertragen. Anteil: 0,2 von 2.

Es wird ersichtlich, dass es besonders wichtig ist, die präsymptomatischen Übertragungen zu erkennen, was natürlich nur im Nachhinein möglich ist. Eine Fallverfolgung ist zu einem späten Zeitpunkt einer Pandemie nicht mehr möglich. Zudem können ja nur symptomatische Erkrankungen isoliert werden. Hier kommen digitale Apps ins Spiel, die die Kontakte von Menschen aufzeichnen, das sogenannte Contact Tracing.

Die Chancen dieser Apps liegen auf der Hand: Zunächst können bei einer Erkrankung Daten digital an ein Labor geschickt werden um sich z.B. bei der Labordiagnostik anzumelden. Zudem bietet Contact Tracing den Vorteil, die Kontakte der Erkrankten aus den letzten Tagen ausfindig zu machen. Diese werden dann dementsprechend informiert und müssten sich, bei positiver Diagnose isolieren. Die Modellrechnungen der Wissenschaftler ergeben, dass so das Maß R0 unter 1 gesenkt werden kann. Voraussetzung hierfür wäre, dass 60 Prozent aller Menschen diese App installieren würden und die Fallidentifikation zu 60 Prozent über die App laufen würde. Wichtig sei dabei also ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft in der Bevölkerung. Am besten funktioniert die App tatsächlich in Kombination mit anderen Maßnahmen, die teilweise schon jetzt praktiziert werden, also z.B. Physical Distancing, Quarantäne, Lockdown, Ausgangsbeschränkungen und Gesichtsmasken.

Unterdessen haben sich in Österreich schon viele Menschen eine “Stopp Corona”-App des Österreichischen Roten Kreuzes heruntergeladen. Tritt bei einer Person die Corona-Erkrankung auf, benachrichtigt die App den User automatisch und bittet diesen, sich selbst zu isolieren. Stellt ein Arzt eine Corona-Infektion fest, kann der User einfach eine Meldung über die App abgeben, um seine Kontakte der letzten Begegnungen anonymisiert zu benachrichtigen. Die informierten Kontakte erhalten die Benachrichtigung, dass es einen bestätigten Corona-Fall bei einer ihrer Begegnungen gibt. Anschließend werden User aufgefordert, Zuhause zu bleiben und beim Einsetzen von Symptomen die Hausärztin oder den Hausarzt telefonisch zu kontaktieren.

Mit der App können die Zeiträume zwischen dem Auftreten der Symptome und dem Tracking der Kontakte eines Users verringert werden. Gleichzeitig werden Österreichs Amtsärzte entlastet, da diese momentan mit dem Tracking beauftragt sind. Da das System nur funktioniert, wenn möglichst viele mitmachen, ruft das Österreichische Rote Kreuz Jeden dazu auf, die App herunterzuladen. Die App zeichnet die Kontakte der letzten 48 Stunden auf. Dies ist umso wichtiger, da zwischen Auftreten der ersten Symptome und Ansteckung bis zu 2 Tage liegen können.

Mehr zur App finden Sie hier: https://www.roteskreuz.at/index.php?id=67933

Der Podcast mit Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, auf dem Teile dieses Artikels beruhen ist hier zu finden

Literatur:

Luca Ferretti et al. (2020): Quantifying SARS-CoV-2 transmission suggests epidemic control with digital contact tracing

 


06.04.20

1
2
3
4
5
6
 
 
Copyright