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In diesem Pilotprojekt wurde die Usability eines High-Fidelity-Prototyps durch die Methode des Lauten Denkens im Setting eines Remote-Testings überprüft. Untersuchungsgegenstand war hierbei die Neukonzeption der ALS-App der Ambulanzpartner Soziotechnologie APST GmbH, welche auf zweierlei Wegen bewerkstelligt, amyotrophe Lateralsklerose-Betroffene zu unterstützen.

Hintergrund

ALS (amyotrophe Lateralsklerose) ist eine nach derzeitigem Forschungsstand nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Die Betroffenen (vermutlich wird Ihnen das prominente Beispiel von Stephen Hawking bekannt sein) erleben einen teils rasch fortschreitenden und mitunter diffusen Symptomverlauf, der jedoch im Allgemeinen von Lähmungen und folglich Problemen beim Sprechen, Schlucken und Atmen geprägt ist. Daher ist bei ALS eine ständige Anpassung der Lebensgewohnheiten an den jeweiligen Krankheitsverlauf unumgänglich. Das Unternehmen Ambulanzpartner Soziotechnologie APST GmbH bietet für ebendiese Versorgung und Erforschung seltener neurologischer Krankheiten eine digitale Plattform, die Barrieren im Ambulanzalltag, wie z. B. der Koordination von Patient*innen, Ärzt*innen, Therapeut*innen, Medizinprodukten und Dienstleistungen, abbauen kann. In konkretem Bezug zur amyotrophen Lateralsklerose bietet Ambulanzpartner die sogenannte ALS-App an. Diese speist sich in ihrer Konzeption aus zwei wesentlichen Bestandteilen. Der erste Bestandteil ist der ALSFRS-Fragebogen. Dieser wird von Betroffenen selbst ausgefüllt und erlaubt eine Abschätzung des individuellen Krankheitsverlaufs. Anhand dieses individuell erwartbaren Verlaufs der Krankheit können dann Therapieentscheidungen getroffen und relevante Unterstützungsangebote identifiziert werden. Die Daten des Fragebogens dienen darüber hinaus der Forschung und Entwicklung neuer Medikamente und Hilfsmitteln bei ALS.

Der zweite Bestandteil der App liegt in der Hilfsmittelversorgung. So können Betroffene ihren Bedarf für ein Hilfsmittel anlegen und an das Fallmanagement von Ambulanzpartner versenden, sodass eine Hilfsmittelbeantragung auf einfachstem Wege erfolgen kann.

 

Zielstellung

Aus einem vorangegangenen Kooperationsprojekt zwischen der Ambulanzpartner Soziotechnologie APST GmbH und UseTree ist bereits ein klickbarer High-Fidelity-Prototyp samt erneuertem Konzept der ALS-App entstanden. Ziel des jetzigen Pilotprojektes war es, dieses Konzept einschließlich der damit einhergehenden Designaspekte auf dessen Usability zu überprüfen. Zudem sollte getestet werden, ob die neuen Inhalte des Konzeptes den Bedürfnissen der Nutzer*innen gerecht werden. Gegebenenfalls sollte hierbei auch analysiert werden, welche zusätzlichen Bedürfnisse in den folgenden Iterationen durch die App erfüllt werden könnten. Angesichts der Zielgruppe sollte zudem die Barrierefreiheit der App überprüft werden.

 

Vorgehen

Im ersten Schritt wurden Testleitfäden hinsichtlich der Usability zur Remote-Testung entwickelt. Anschließend wurde der Prototyp der ALS-App mit Hilfe dieser überarbeitet. Während der Testung haben die sechs teilnehmenden Proband*innen ihren Screen geteilt und den ALS-Prototypen im Browser geöffnet. Dadurch konnte die Interaktion mit dem Prototyp beobachtet werden, während sich die Proband*innen unter der Methode des Lauten Denkens mit der vorläufigen Anwendung beschäftigten. War die Sprachfähigkeit hinsichtlich des Lauten Denkens zu sehr eingeschränkt, sodass dies aufgabenbegleitend nicht möglich war, konnten Proband*innen Fragen schriftlich über die Chatfunktion beantworteten. Auf Basis der hierdurch gewonnen Testergebnisse wurde der Prototyp anschließend überarbeitet, eine Designoption ausgewählt sowie eine Priorisierung der Weiterentwicklungsmöglichkeiten vorgenommen.

 

Ergebnis

Die Remote-Usability-Tests zeigten, dass das neue Konzept der ALS-App überaus positiv von den Betroffenen aufgenommen wurde. Besonders wertgeschätzt wurden hierbei die klare Strukturierung der App sowie auch die große Schrift. Darüber hinaus kam die Erweiterung der alten ALS-App um Handlungsoptionen und Vorschläge zu Hilfsmitteln gut an, die in Abhängigkeit des aktuellen Standes der Erkrankung automatisch generiert werden können, die einen proaktiven Umgangs mit dem Symptomverlauf ermöglichen. Bezüglich der Barrierefreiheit zeigte die Testung, dass die Doppelung von möglichen Navigationswegen sinnvoll ist, um verschiedene körperliche Einschränkungen ausgleichen zu können. Durch die Usability-Testung konnten zudem Ideen für Weiterentwicklung gesammelt (z. B. Hinweise auf Hilfsgruppen) oder verworfen (z. B. Personalisierbarkeit der App) werden.

 

 

Meinungen

„Wir konnten unsere Anwendung mit UX und UI von realen Nutzern mit komplexen Mobilitäts- und Kommunikationseinschränkungen testen lassen. Damit erhielten wir ein gutes Feedback zu UX und UI aus der wirklichen Welt. Die Zusammenarbeit war professionell, unkompliziert und unbürokratisch. Ich freue mich, dass es dieses Angebot im Berliner Ökosystem für Softwareentwicklung gibt.“

Prof. Dr. Christoph Münch, Geschäftsführung


30.09.21

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