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User Experience (UX) wird immer wichtiger, um sich unter Mitbewerbern hervorzuheben. Es setzt sich zunehmend das Verständnis für UX als Wettbewerbsvorteil durch. Vielleicht haben Sie ein gutes Verständnis von der Rolle von Usability und User Experience und sind von der Wichtigkeit von Usability Tests überzeugt. Aber wie kann man es angehen? Wie kann es gelingen? Ist Usability Testing nicht aufwendig und teuer? Passt es in die Prozesse?

Im Rahmen des Digitaltags 2021 haben wir zu einem Workshop zum Thema Usability Testing eingeladen, um solche Fragen zu besprechen und um Berührungsängste und Hürden abzubauen.

Workshop – remote? Zum Digitaltag 2021 haben wir zu einem Workshop zum Thema Usability Testing eingeladen. Natürlich bietet sich die Durchführung in einem User Experience Labor an, doch pandemiebedingt musste der Workshop (leider) online stattfinden. „Leider“? Wir wollen Hürden abbauen. Wir wollen zeigen, dass sich Usability Tests auch niedrigschwellig und kostenbewusst durchführen lassen. Deswegen haben wir das Remote-Setting als Chance gesehen und den Teilnehmenden Remote-Usability-Testing nähergebracht. 

Hands-On – remote! Es existiert ein ganzer Blumenstrauß an Usability-Testing-Methoden. Nicht jede Testmethode ist dabei für jede Fragestellung gleichermaßen geeignet. Deswegen beleuchteten wir das Thema zunächst theoretisch durch die Brille der Wissenschaft und Praxis. Aber die Teilnehmenden sollten viel Raum zum selber Ausprobieren haben. Wenn auch normalerweise die Fragestellung die Testmethode bestimmt, sind wir anders vorgegangen und gaben die Testmethode vor. Die Teilnehmenden sollten selbst einen Usability Test – als „Königsdisziplin“ der Usability-Testmethoden – durchführen. Und das remote…

Auf die richtige Fragestellung kommt es an. Nach der theoretischen Einführung war es an den Teilnehmenden, einen Usability Test zu planen und durchzuführen. In zwei getrennten Gruppen wurden Usability Tests für zwei aktuelle Webportale ausgetüftelt. Die Testkandidaten rekrutierten sich aus der jeweils anderen Gruppe. Es galt, sich schnell in die unbekannte Website einzufinden, eine geeignete Fragestellung zu definieren, dafür eine Testaufgabe zu erstellen und ein Nutzungsszenario zu schreiben. Es musste ein Testsetting entworfen, ein Testskript erstellt und ein Briefing für die Testperson vorbereitet werden – und das alles in (durch die Workshop-Situation) extrem begrenzter Zeit. Dafür stand Mural als ein Collaborations-Tool zur Verfügung.

Nach der ersten Testrunde zeigte sich, ob die Fragestellung für den Usability-Test geeignet vorgegeben war und ob das Briefing passend formuliert wurde. Es stellten sich erste Herausforderungen beim Konzipieren eines Usability Tests heraus. Außerdem wurde klar, was sich durch einen Usability Test herausfinden lässt – und was nicht. Dazu waren die technischen Herausforderungen der Remote-Situation per Zoom zu meistern. Sehr deutlich wurde, dass ein Remote-Test andere Herangehensweisen erfordert und andere Problematiken aufdeckt als ein Usability Test im Labor. Trotzdem liefert er für geeignete Fragen hinreichend gute Ergebnisse.

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold. Wie kann man die Testperson motivieren, ohne sie zu beeinflussen? Wie die Testperson „lesen“? Die Teilnehmenden wurden in die Think-Aloud-Methode eingeführt. Die Testperson wird dabei gebeten, ihre Gedanken laut auszusprechen. Durch die beiden unterschiedlichen Perspektiven, die während der Testphase eingenommen werden konnten, wurde deutlich, wie wichtig es ist, eine Manipulation der Testperson zu vermeiden. Eine angenehme Atmosphäre von Anfang an und während des Tests ist unentbehrlich, damit die Testperson ihre Gedanken auch laut äußern möchte. Dafür braucht es Raum. Dafür braucht es Geduld.

Die Perspektive wechseln. Besonders intensiv waren die Erfahrungen, als die Teilnehmenden zur anderen Seite wechselten und bei der jeweils anderen Gruppe in die Rolle der Testperson wechselten. Wie fühlt es sich an, Testperson zu sein? Fühlt man sich getestet? Kann man alle Details der Testaufgabe behalten? Wie ist es, seine Gedanken laut auszusprechen?

Test out loud. Und was wird aus den Erkenntnissen, die aus dem Usability Test gewonnen wurden? Wie kann man sie kommunizieren? Wie kann der Test helfen, das Produkt zu verbessern? Am Ende des Workshops hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, in einem kurzen Ergebnis-Workshop, die Befunde zu komprimieren, zu priorisieren und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren und in einem knappen Testbericht zusammenzufassen.

Die Referentinnen:

Elena Herrmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Informatik an der NORDAKADEMIE - Hochschule der Wirtschaft, Elmshorn, sowie Teil des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Usability. Im Rahmen ihrer Tätigkeit an der Hochschule leitet sie das User Experience Lab und begleitet die Lehrveranstaltung Usability Engineering. Für das Kompetenzzentrum führt sie u.a. Workshops durch und begleitet Pilotprojekte. Ihr Interesse gilt dem Usability Engineering.

Franziska Herrmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Informatik an der NORDAKADEMIE - Hochschule der Wirtschaft, Elmshorn, sowie Teil des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Usability. Nach dem Studium der Informatik und der Tätigkeit als Software-Entwicklerin fand sie den Weg an die Hochschule. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigt sie sich vor allem mit Agilen Methoden und dem Usability Engineering. Außerdem gilt ihr Interesse der Accessibility und der Didaktik in der Informatik. Für das Kompetenzzentrum führt sie u.a. Workshops durch und begleitet Pilotprojekte.


22.07.21

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