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In diesem Pilotprojekt wurde ein Usability-Test für die als Medizinprodukt zertifizierte SturzApp der Lindera GmbH durchgeführt. Die App soll in den Pflegealltag der sturzgefährdeten Personen integrierbar sein und deren Sturzrisiko langfristig senken. Die Testung und die Ergebnisse sind richtungsgebend für die DiGA-Zertifizierung der SturzApp.

Hintergrund

Die Lindera GmbH hat mit Hilfe von künstlicher Intelligenz einen Algorithmus entwickelt, der auf Basis eines einfachen Smartphone-Videos ein präzises und sich anatomisch korrekt bewegendes 3D-Bild einer Person anfertigt. Auf diese Weise gelingt es innerhalb der dazugehörigen und als Medizinprodukt zertifizierten SturzApp, Gangbewegungen zu digitalisieren, objektive und vergleichbare Bewegungsanalysen sowie Sturzrisikoanalysen zu erstellen. Die App lässt sich ohne viel Aufwand in den Pflegealltag integrieren. Durch die Anwendung der SturzApp kann langfristig das Sturzrisiko gesenkt werden.

Ziele

In Rahmen des Pilotprojekts sollte die Erstnutzung der App sowie das Verständnis des gesamten Ablaufs untersucht werden. Ein Fokus lag dabei auf den notwendigen Medienbrüchen zwischen PC und Smartphone: von der Registrierung (PC) über das Aufnehmen des Videos (Smartphone) bis zur finalen Analyse (PC). Die App- und Analyse-Tour sollten ebenfalls auf Verständnis und Gründe für etwaige Nutzungsabbrüche getestet werden. Darüber hinaus sollte die Interaktion zwischen der sturzgefährdeten Person und der Begleitperson beobachtet werden, um zu ermitteln, inwiefern die Begleitperson weiß, wann sie bei der Bedienung Unterstützung bieten sollte.

Methoden

Zur Beantwortung der Zielstellungen führte das Kompetenzzentrum Usability-Tests durch. Da angenommen wird, dass die Nutzenden im privaten Kontext Unterstützung bei der Bedienung der Anwendung benötigen, wurden jeweils Paare zu einem Erhebungstermin eingeladen, wovon eine Person sturzgefährdet war und die andere die Rolle der Begleitperson einnahm.

Gemeinsam sollten sie sich registrieren, den Anweisungen der App folgen, ein Video zur Sturzanalyse aufnehmen, den Fragebogen ausfüllen und sich die Sturzanalyse sowie die App- und Analyse-Tour anschauen. Während der Testung wurden die Probanden gebeten die Methode des Lauten Denkens anzuwenden.

Zu Beginn sowie zum Abschluss der Testungen fanden zudem jeweils kurze Interviews statt. Im Mittelpunkt standen hierbei personen- und gesundheitsbezogene Fragen, technische Erfahrungen und Technikaffinität, die Bereitschaft das Produkt weiter zu nutzen und das Verständnis der Wechsel der Endgeräte, wie häufig sie Sturzanalyse durchführen würden, ob die Anwendung einen Mehrwert darstellt und ob sie die Analyse dem behandelnden Arzt zeigen würden.

Ergebnisse

Die Testungen zeigten, dass Brüche zwischen PC und Smartphone als problematisch anzusehen sind, da diese sowohl nicht verstanden wurden, als auch unzureichend klar wurde, wann ein solcher Wechsel der Geräte erfolgen muss. Der Prozess, bei dem ein Medienbruch stattfand, war für die sturzgefährdeten Personen ohne Begleitperson kaum zu bewältigen. Zudem zeigte sich, dass die App-Tour gekürzt werden sollte und dass das Verbinden von dem Erklären und Ausführen einer Aktion bei der App-Tour zu Verwirrung und teilweise zum Abbruch der Tour führen kann. Der Mehrwert der Anwendung war den Probanden auch nach Ende der Testung nicht in Gänze bewusst. Reibungslos funktionierte hingegen das Aufnehmen des erforderlichen Videos. Weiterhin wurde in den Testungen deutlich, dass die Barrierefreiheit der Anwendung (z. B. Schriftgröße) angepasst werden sollte.

Das Kompetenzzentrum hat die geschilderten Beobachtungen und das Feedback der Teilnehmenden aufgearbeitet und Verbesserungsvorschläge formuliert. Die durchgeführte Usability-Testung und die Ergebnisse sind richtungsgebend für die DiGA-Zertifizierung. Der Test-Leitfaden wurde außerdem so aufbereitet und ergänzt, dass Lindera damit selbstständig Testungen durchführen kann.

Meinungen

„Der im Rahmen der Zusammenarbeit durchgeführte Nutzertest hat uns viele Einblicke in unser eigenes Produkt gegeben. Durch die externe Unterstützung und vor allem die Einbindung potentieller Nutzer haben wir viele Optimierungsmöglichkeiten identifizieren können. Die Zusammenarbeit war unkompliziert und die Kommunikation war schnell und einfach. Unsere Unternehmesziele standen jederzeit im Fokus des Projektes. Das Angebot unterstützt alle Unternehmen, egal welcher Branche. UUX ist nicht nur für digitale Produkte relevant sondern sollte auch bei der Entwicklung von Hardware immer im Fokus stehen.“
 

Kathrin Ganser, Head of Product, Lindera GmbH


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