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Im Vortrag „Digitalisierung als Gestaltungsaufgabe für eine positive Zukunft“ stellten Prof. Dr. Michael Burmester, Nora Fronemann und Dr. Magdalena Laib bei der UIG-Tagung 2020 ihre Zukunftsvision und die relevanten Aspekte für eine positive, menschgerechte Technikgestaltung dar.

Seit nunmehr sechs Jahren forschen für die HdM Michael Burmester und Magdalena Laib und für das Fraunhofer IAO Nora Fronemann bereits gemeinsam an Fragestellungen rundum positive User Experience im Kontext der Arbeit. Über all die Jahre wird unsere Arbeit begleitet von Diskussionen darüber, welche weitreichende Auswirkung die Gestaltung eines positiven Erlebens bei der Arbeit hat. In Gesprächen im Team und auf Konferenzen mit kooperierenden Unternehmen wurden aus Fragen wie „Muss Arbeit Spaß machen?“ oder „Ok mehr Freude. Und was bringt das? Leisten die Leute dann mehr?“ die Gewissheit, dass es notwendig ist, sich mit diesen viel weitreichenderen Themen zu beschäftigen und sich der Auswirkungen, die Technikgestaltung für unsere Arbeit und unsere Freizeit hat, bewusst zu sein. Aus diesem Grund ist es uns sehr wichtig, dass wir uns dieser Gestaltungsaufgabe stellen und sie annehmen, um eine Zukunft mitzugestalten, die im Sinne der Menschen digitalisiert ist.

Das Thema für unseren Vortrag bei der diesjährigen UIG Tagung stand bereits Anfang des Jahres fest, als die Corona-Pandemie noch nicht präsent war. Umso passender war das Thema „Digitalisierung als Gestaltungsaufgabe für eine positive Zukunft“ nun in der vergangenen Woche. In den letzten Monaten haben wir alle erlebt welche Auswirkungen die Digitalisierung auf unser Leben hat. Home-Office ist dank Video-Konferenz-Tool, VPN und Laptop möglich und auch mit Menschen, die wir aktuell nicht oder nur selten sehen können, bleiben wir mit Messengern und Video-Telefonie im Kontakt. Dennoch bleibt viel auf der Strecke, das wir nicht digitalisieren können und wollen, oder das wir noch nicht digitalisiert haben, weil wir es für nicht digitalisierbar gehalten haben. Uns ist bewusst geworden, dass wir nicht alles um der Digitalisierungswillen digitalisieren sollten. Aber dennoch können derzeit erlebte Defizite, wie z.B. fehlender Smalltalk in der Kaffeepause im Home-Office oder bei einer digitalen Konferenz, mit erlebnisbezogener und kreativer Perspektive zumindest ein Stück weit digital überwunden und positive Erlebnisse ermöglicht werden. Deshalb haben wir eine Zukunftsvision entwickelt.

Unsere Vision besteht aktuell aus 7 Kernaspekten:

  • Mut: Die aktive Umsetzung einer solchen Vision, neue Schritte zu gehen, erfordert immer Mut.
  • Optimismus: Es geht darum, eine positive Zukunftsvision zu entwickeln, also mit einer ordentlichen Portion Optimismus auf mögliche Veränderungen und Maßnahmen zu blicken.
  • Verbundenheit: Digitalisierung soll in unserer Vision Menschen zusammenbringen (digital und analog), weswegen wir Ideen verfolgen möchten, die Verbundenheit stärken.
  • Diversität: Maßnahmen und Lösungen sollen für alle erleb- und nutzbar sein, wofür auch alle mitgedacht und mitgenommen werden müssen. Eine größtmögliche Diversität und Gleichstellung sind daher unerlässlich.
  • Nachhaltigkeit: Digitalisierung eröffnet Möglichkeiten zu Nachhaltigkeit beizutragen, wie z.B. das Einsparen von Ressourcen und Emissionen durch das Ersetzen von Dienstreisen durch virtuelle Treffen, wenn diese Treffen umfassend alle arbeitsbezogenen und persönlichen Bedarfe und Bedürfnisse erfüllen.
  • Sinn: Digitale Lösungen können Sinnerleben in Arbeits- und Freizeitkontexten ermöglichen und erweitern.
  • Arbeit: Nicht zuletzt ist es uns wichtig, den Bereich der Arbeit als Teil des gesellschaftlichen Lebens mitzudenken und uns nicht auf persönliche und private Initiative zu beschränken.

Uns ist es bei diesem Thema sehr wichtig, keine elitäre Diskussion zu führen, die sich rein auf die Gestaltung von Computerarbeitsplätzen fokussiert. Im Vortrag machten wir deutlich, dass wir alle Teile der Gesellschaft und demnach auch alle Arbeitsplätze mitdenken möchten. Wie wir uns dem Sinn-Aspekt aus der im Vortrag formulierten Zukunftsvision widmen können, stellten wir am Beispiel der Gestaltung eines Werkerassistenzsystems vor. Der Vorschlag stammt aus einem Kooperationsprojekt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt. Das Konzept sieht vor, den Beitrag der einzelnen Monteure und Monteurinnen zu „etwas Höherem“ zu veranschaulichen. Hierfür kann z.B. Rückmeldung darüber gegeben werden, in welchem Produkt das von ihnen gefertigte Bauteil verbaut wird oder welche Kollegen und Kolleginnen mit dem gefertigten Bauteil weiterarbeiten.

Die im Vortrag formulierte Vision zu Möglichkeiten der Digitalisierung für die Gestaltung einer positiven Zukunft stellt work in progress dar. Zukünftige Erkenntnisse und Diskussionen sollen helfen, die Vision weiterzuentwickeln.

 

Beispiele und weitere Artikel zu einzelnen Aspekten:

Zu Arbeit:

Schwerpunkt Innovation und Zukunft der Arbeit

Positive Erlebnisse ins Home-Office bringen

 

Zu Verbundenheit:

Sich anderen nahe fühlen über Distanz – Teil 1

Sich anderen nahe fühlen über Distanz – Teil 2

Sich anderen nahe fühlen über Distanz – Teil 3

 

Zu Diversität:

Die weibliche Seite der Digitalisierung


09.11.20

Kontakt

Prof. Dr. Michael Burmester
Nora Fronemann
Dr. Magdalena Laib

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