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Foto: Frederick Medina auf Unsplash

Im KI-Pilotprojekt mit Business-Coach Lena Soukup wurden das Scenario-Based Design und Fokusgruppen eingesetzt, um Führungskräfte schon früh in die Konzeption einer intelligenten Coaching-App einzubeziehen. Ein Zwischenbericht, in dem wir auch Lena Soukup selbst zu Wort kommen lassen.

Im KI-Pilotprojekt mit Business-Coach Lena Soukup soll ein „Digital Leadership Assistant“ entworfen werden. Dabei handelt es sich um ein durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstütztes Assistenzsystem, das Führungskräften im Alltag bei der Reflexion ihrer Herausforderungen und bei der persönlichen Weiterentwicklung hilft. Die intelligente Coaching-App soll individuell auf die Bedarfe der Nutzenden eingehen. Um zu definieren, was dieser digitale Coach alles können soll, und dabei auch die Führungskräfte als zukünftige Nutzende einzubeziehen, wurde im Projekt das Scenario-Based Design angewandt. Bei dieser menschzentrierten Vorgehensweise werden verschiedene Typen von Szenarien erstellt, also Geschichten aus der Sicht fiktiver Nutzender, die z. B. eine aktuelle Problemlage und mögliche Lösungen dafür beschreiben. Im Rahmen des Projekts wurden sogenannte Aktivitätsszenarien erarbeitet, die sich auf den Umgang der fiktiven Führungskraft Jonas mit dem digitalen Coach konzentrieren. Wie etwa diese Idee zur Nutzung während der Autofahrt:

„Während Jonas im Auto sitzt, nutzt er die Leerlaufzeit, um seinen Tag vorzubereiten und sich selbst zu reflektieren. Über einen Sprachbefehl öffnet er die App. Der Assistent meldet sich sofort zu Wort und stellt Jonas Fragen, die ihn auf den Tag vorbereiten, ihn Prioritäten und sich Ziele setzen lassen.“

Zu Beginn standen viele Ideen für Funktionen und Nutzungssituationen des Systems im Raum und die Aktivitätsszenarien wurden mehrfach ergänzt und erneuert, bis eine erste Vision feststand. Das nächste Ziel war es, diesen ersten Entwurf einigen repräsentativen Führungskräften vorzustellen und ihre Meinungen und Ideen in den Gestaltungsprozess einfließen zu lassen. Dazu wurden zwei Fokusgruppen geplant und ein Aufruf zur Mitwirkung am Projekt über LinkedIn und einen Newsbeitrag des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Usability geteilt. Zu den Fokusgruppen am 5. und 8. Oktober fanden sich insgesamt acht Führungskräfte ein, die sich den Fragen des Projektteams stellten und die vorbereiteten Aktivitätsszenarien angeregt diskutierten.

"Es hat mich gefreut, Teil der Fokusgruppen sein zu dürfen und mich mit anderen Führungskräften über die Herausforderungen im Bereich Leadership auszutauschen. Die digitale Transformation ist auf dem Vormarsch und es macht sehr viel Spaß, die unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen in den Fokusgruppen zu bündeln.“
(Nathalie Kern, Geschäftsführerin der SO.real GmbH)

Und was hat es gebracht, die Nutzenden schon so früh in den Prozess der Ideenfindung und der Konzeption einzubringen? Dazu schrieb uns Lena Soukup:

„Das wichtigste Learning aus den Fokusgruppen war, dass die frühzeitige Einbeziehung der Nutzergruppen wertvolle Erkenntnisse liefert. Diese beziehen sich sowohl auf die Gestaltung eines Assistenten sowie die Interaktion mit diesem. Durch den direkten Austausch mit den Führungskräften wurde ein tiefgreifendes Stimmungsbild widergespiegelt und eine Menge konkreter, qualitativ hochwertiger Rückmeldungen zu den Entwürfen geliefert.“

Die frühe Einbindung der Führungskräfte hat sich offenbar gelohnt – nun werden die Erkenntnisse und neu entstandenen Ideen aus den Fokusgruppen in den nächsten Workshop einfließen. Bei diesem soll ein KI-Service-Blueprint erstellt werden, um u. a. die genaue Aufgabenteilung zwischen Mensch und KI, die erforderlichen Elemente und Funktionen der Benutzerschnittstelle sowie Systeme und KI-Algorithmen im Backend genau zu definieren und Unklarheiten aufzudecken. Auch hierbei sollen wieder Führungskräfte an Bord geholt werden, um deren Anforderungen und Wünsche nicht aus den Augen zu verlieren. Die fortlaufende Einbeziehung der Nutzenden im Rahmen solcher menschzentrierter Gestaltungsmethoden ist nicht immer einfach, aber für die Entwicklung eines erfolgreichen und gebrauchstauglichen Produkts enorm wichtig. Lena Soukup fasste es aus ihrer Sicht folgendermaßen zusammen:

„Eine weitere Erkenntnis war, dass die Durchführung des menschzentrierten Gestaltungsprozesses eine offene und ehrlich interessierte Haltung beim Projektteam voraussetzt. Der Gesamtprozess fordert eine hohe Aufmerksamkeit und eine stetige Reflexion der eingesetzten Methoden, um kontinuierlichen Fortschritt zu erlangen. Der Einsatz der Methoden schafft Klarheit und unterstützt dabei, den Kompass regelmäßig neu auszurichten, um letztendlich eine Lösung zu entwickeln, die dem Nutzer eine positive Erfahrung und einen echten Mehrwert liefert.“

Die Vision des digitalen Coaches mag noch am Anfang stehen, doch mit dieser Vorarbeit und der Ausrichtung der Projektidee an den Erfordernissen und am Wohl der Nutzenden sollte der Kurs auf Erfolg gesetzt sein. Wir freuen uns auf die letzte Etappe des KI-Pilotprojekts!


27.10.20

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Manuel Kulzer

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