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Foto: bwcon / hightech-summit.de

Vom 30. September bis zum 2. Oktober fand erneut an mehreren Locations in ganz Baden-Württemberg der Hightech Summit der bwcon statt, dieses Jahr als hybrides Event. In Stuttgart stellten sich erstmals zwei KI-Pilotprojektpartner des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability vor. Die Themen: Künstliche Intelligenz (KI) in der Pflege und KI als Assistent bei Website-Tests.

Der jährliche Hightech Summit fand 2020 erstmals als hybrides Event vom 30. September bis zum 2. Oktober in neun Städten in ganz Baden-Württemberg statt. Die Präsenzvorträge aller Veranstaltungsorte konnten diesmal auch online auf dem Livestream verfolgt werden – wo sich zur Spitzenzeit bis zu 1.400 Zuschauer tummelten. Am Event in Stuttgart war auch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability mit einigen „neuen Gesichtern“ beteiligt. Und aus dem klassischen Format des „Transfer-Doppel“, in dem traditionell aus Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen berichtet wird, wurde diesmal sogar ein „Transfer-Trio“: KI-Trainer Manuel Kulzer brachte gleich zwei Partner des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability mit, die vom aktuellen Stand ihrer Pilotprojekte erzählten. In Pilotprojekten werden Usability- und User Experience-(zusammen: UUX)-Methoden in kleinen und mittleren Unternehmen mit Unterstützung durch die ExpertInnen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability erprobt. Im Rahmen des KI-Trainer Programms werden solche Pilotprojekte nun auch im Kontext der Konzeption und Entwicklung von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) durchgeführt.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema der menschzentrierten KI ging das Wort an Josef Buschbacher, Geschäftsführer der Corporate Learning + Change (CLC) GmbH, die sich mit der Entwicklung und Etablierung von Lernformaten, Lernarchitekturen und Lerntechnologien für Unternehmen und Organisationen befasst. Ausgangspunkt in diesem Projekt war die Frage: Wie kann KI die Aus- und Weiterbildung von Pflegekräften unterstützen? Dem kleinen Stuttgarter Unternehmen war bewusst, dass sich die derzeitigen Schulungsmethoden in der Pflege durch neue Technologien erweitern müssen. Doch ohne Vorwissen zu KI und menschzentrierten Gestaltungsmethoden sei die Gefahr groß gewesen, sich zu verzetteln, so Josef Buschbacher. Schon im Februar war er allerdings auf das KI-Trainer Programm des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability aufmerksam geworden, wo er einen der Workshops besucht hatte – und schließlich im Juni auf die Ausschreibung der KI-Pilotprojekte reagierte.

Im vorgestellten Pilotprojekt ging es dann gerade um die ersten Phasen des menschzentrierten Gestaltungsprozesses: Zunächst war durch die gemeinsame Definition und Analyse der Zielgruppe Pflegekräfte ein tieferes Verständnis für die relevanten Nutzergruppen und deren Probleme aufgebaut worden. Anschließend waren anhand von Nutzungsszenarien Lösungen entworfen worden, die den Anforderungen der Nutzergruppen gerecht werden sollten. Das wichtigste Learning für das Unternehmen sei bislang, die zukünftigen Nutzenden so früh wie nur möglich in den Gestaltungsprozess einzubinden. Aktuell sind weitere Workshops in Planung, in denen die Lösungsentwürfe zusammen mit Vertretern der Nutzergruppen diskutiert und ausgebaut werden sollen. Unterstützt wird das Projektteam dabei auch von Fresenius Kabi, einem weltweit tätigen Gesundheitsunternehmen, das u.a. Versorgungsmanagement und Fortbildungen für Kliniken anbietet.

Den zweiten Beitrag leistete Jonas Menesklou, Mitgründer und CEO des Karlsruher Startups AskYourUI. Dort wird gerade ein KI-System entwickelt, das mithilfe von computerbasiertem Sehen (Computer Vision) und Computerlinguistik (Natural Language Processing) selbstständig Benutzeroberflächen von Websites und Softwares auf ihre Funktionalität testen kann – eine riesige Entlastung für Software- bzw. Website-Tester, die üblicherweise hunderte bis tausende solcher Funktionstests für unterschiedliche Geräte, Betriebssysteme und Browser von Hand durchführen müssen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für dieses KI-Systems sei jedoch die User Experience (UX). Die zentrale Frage im Pilotprojekt war daher: Wie kann die User Experience der KI optimiert und evaluiert werden? AskYourUI hatte im Juli Kontakt mit dem Kompetenzzentrum Usability aufgenommen  und war kurz darauf ebenfalls in ein KI-Pilotprojekt gestartet, in dem wiederum eher die dritte und vierte Phase des menschzentrierten Gestaltungsprozesses im Vordergrund standen: Das Prototyping und die Evaluation.

Die Hypothese des Projektteams war, dass sich eine menschlich anmutende und mitfühlende Gestaltung der KI, z.B. in Bezug auf ihr Erscheinungsbild und ihre Ausdrucksweise, positiv auf die UX auswirken würde. Um eine neutrale und eine „empathische“ Version der KI umzusetzen und zu testen, war die Methode des Wizard-of-Oz-Prototyping im Gespräch gewesen, bei welcher komplexe KI-Funktionen auch ohne aufwendige Programmierung simuliert werden können. Doch schnell hatte sich gezeigt, dass die Entwicklung der KI bzw. der Anwendung schon so weit vorangeschritten war, dass sie gar nicht mehr simuliert werden musste. So waren mit Storyboards und Papierprototypen noch einige empathische Gestaltungsideen für die KI entworfen und direkt in die bestehende Software eingebaut worden. Aktuell sind Vergleichstests in Planung, bei denen die Teilnehmenden bereits zwei (fast) voll funktionsfähige Prototypen der KI ausprobieren können.

Nach den Vorträgen durften sich beide Pilotprojekt-Partner noch Fragen aus dem Publikum stellen und wurden auch in der folgenden Pause in angeregte Gespräche verwickelt. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des aufgrund der Hygienemaßnahmen sehr spärlich besetzten Saals vor Ort in der LB Rotunde war es eine tolle Atmosphäre für den Austausch und das Networking untereinander. Wir bedanken uns bei unseren Partnern von bwcon für die Organisation dieses außergewöhnlichen Events und hoffen, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein zu können!


12.10.20

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