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Manuel Kulzer, Hochschule der Medien

Am 24. September 2020 fand zum ersten Mal die virtuelle Konferenz „Das intelligente KMU“ statt, gemeinschaftlich organisiert durch die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren Stuttgart, Textil vernetzt und Usability. Das Kompetenzzentrum Usability war vertreten mit einem Workshop zum Thema menschzentrierte Künstliche Intelligenz (KI) und der Methode des Szenario Design.

Ich erinnere mich noch an die erste Informationsveranstaltung zum KI-Trainer Programm des Kompetenzzentrum Usability im Februar, damals sogar noch vor Ort an der Hochschule der Medien und mit KI-Trainern aus insgesamt vier Zentren als Referenten. Gegen Ende des Events, nachdem alle Teilnehmer sich verabschiedet hatten, kamen die sechs anwesenden KI-Trainer nochmal zusammen, unterhielten sich und fassten letztlich einen Entschluss: Wir sollten öfter mal was zusammen machen! Nach langer Planung zeigte sich im September das (erste) Ergebnis dieses Vorhabens: Die erste gemeinsame Konferenz zu Künstlicher Intelligenz (KI) der benachbarten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren Stuttgart, Textil vernetzt und Usability im Südwesten Deutschlands. Das Event am 24. September 2020 war eine gelungene Premiere – und wird sich im nächsten Jahr voraussichtlich wiederholen.

Das Kompetenzzentrum Usability beteiligte sich an diesem Tag mit einem Workshop zum Thema der Menschzentrierten Gestaltung von KI und der Methode des Szenario Design. In der theoretischen Einführung wurde zunächst die Vorgehensweise der menschzentrierten Gestaltung vorgestellt, welche tatsächlich den meisten Teilnehmenden neu war. Der Prozess der menschzentrierten Gestaltung besteht im Wesentlichen aus vier Schritten – dem Analysieren und Verstehen des Nutzungskontexts, dem Entwurf von Gestaltungslösungen, dem Prototyping der Lösungen und letztlich der Evaluation der Prototypen, bei der entschieden wird, ob weitere Zyklen des Prozesses notwendig sind. Das Szenario Design oder Scenario-Based-Design (nach Rosson & Carroll, 2002) lässt sich dabei sehr gut in den ersten zwei Phasen des Prozesses anwenden.

Szenarien an sich sind Geschichten, in denen Nutzungssituationen aus Sicht einer Persona erzählt werden – so wie man Geschichten in Büchern liest oder wie man selbst anderen von persönlichen Erlebnissen erzählen würde. Solche Szenarien kann man nun zum Beispiel über eine aktuelle Problemsituation schreiben – das nennt sich dann Problemszenario und hilft dabei, sich die realen Probleme der Nutzenden vorzustellen. Wie diese Situation in Zukunft aussehen soll, wenn die Nutzenden das neue Produkt oder System verwenden, das wird im Aktivitätsszenario beschrieben. Darin geht es erst mal nur um die Aktivitäten der Nutzenden mit dem Produkt oder System – daher der Name – und noch nicht um Details wie angezeigte Informationen, Bildschirmelemente, Interaktionen und Animationen. Diese kommen erst in den nächsten Schritten mit dem Informationsszenario und dem Interaktionsszenario hinzu. Wie man Problemszenarien und Aktivitätsszenarien formuliert, darum ging es in der praktischen Phase des Workshops.

Bei der praktischen Übung arbeiteten die Teilnehmenden in zwei Gruppen, in denen sie sich zuerst eigene Problemsituationen überlegten. Sie schlüpften damit selbst in die Rollen der Nutzenden, die Problemsituationen aus ihrem Berufsalltag beschreiben. Es brauchte ein wenig Übung, um von dem - sonst im Arbeitskontext so üblichen - neutralen und stichpunktartigen Schreibstil abzulassen und stattdessen im narrativen Stil zu schreiben, der die Methode auszeichnet. Nach einer Weile machte es den Teilnehmer jedoch sichtlich Spaß, ihren Ärger über so manche mühseligen Prozesse und EDV-Programme in Problemszenarien einfließen zu lassen. Der zweite Schritt war es nun, sich zu überlegen, wie diese Probleme durch KI gelöst werden könnten. Dabei entstanden einige Ideen für KI-Anwendungen und Funktionen, die sicher für viele Unternehmen eine Erleichterung darstellen würden. Der Workshop erhielt von den Teilnehmern zum Abschluss sehr positive Rückmeldungen und zeigte, dass die Ideenfindung für KI-Anwendungen und die menschzentrierte Gestaltung von KI ganz einfach sein können.

Literatur:
Rosson, M.B. and Carroll, J.M. (2002) Usability Engineering: Scenario-Based Development of Human-Computer Interaction. Morgan Kaufmann Publishers, Burlington.


08.10.20

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