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Im zweiten Teil der Artikelserie "Die weibliche Seite der Digitalisierung" wollen wir einen Blick auf die Frauen in der UUX-Branche werfen. Wie viele sind wir Frauen eigentlich, was haben Frauen studiert und welche Möglichkeiten gibt es sich zu vernetzen? Antworten finden Sie im folgenden Artikel.

„Ohne die Leistung der Frauen wäre der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht Weltspitze“ schreibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in einem Artikel über die Frauen in der Wirtschaft. Sie sind aus der Arbeitswelt als Entscheiderinnen nicht wegzudenken.

Doch wie sieht es derzeit mit der Frauenquote in der Usability und User Experience (UUX)-Branche aus? Zur Beantwortung dieser Frage wollen wir Informationen sammeln, die Aufschluss darüber geben,

  • wie viele Frauen eigentlich derzeit in der Branche rund um UUX unterwegs sind,
  • wie es generell mit der Frauenquote in digitalisierungsnahen Berufen steht
  • und welche Angebote es für Frauen gibt, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Wie viele Frauen sind wir eigentlich im Bereich UUX?

Zahlen rund um die UUX-Branche in Deutschland lassen sich beispielsweise im Branchenreport des Berufsverbands der Usability und User Experience Professionals (GermanUPA) finden. Hier zeigt sich, dass in den letzten Jahren eine annähernd gleiche Verteilung der in dieser Branche tätigen Frauen und Männer vorliegt. 2018 waren es 48 Prozent Frauen (52% Männer) und 2019 45 Prozent Frauen (55% Männer). Teilgenommen hatten 330 (2018) und 301 (2019) Expertinnen mittels einer Online-Umfrage.

Das ist ja eigentlich eine gute Nachricht und zeigt, dass es viele Frauen im Bereich UUX gibt.

Ist die öffentliche Sichtbarkeit der dort tätigen Frauen allerdings ebenso gegeben?

Wir gucken uns aus Neugier die eingetragenen Beteiligten an Arbeitskreisen der GermanUPA an und sehen, dass sich hier die annähernde Gleichverteilung ebenso widerspiegelt. Allerdings lediglich im Durchschnitt, denn in einigen Gruppen (z.B. der Arbeitskreis The Positive X mit wesentlich mehr Frauen) zeigen ein Missverhältnis auf.

Interessieren sich Frauen vielleicht einfach nur besonders für bestimmte Themen?

Im Bericht der GermanUPA von 2019 finden sich zwei weitere Unterschiede zwischen Frauen und Männern. So haben Frauen durchschnittlich weniger Berufserfahrung als Männer und sind durchschnittlich auch jünger als die männlichen Expertinnen.

Heißt das, das Zeitalter der Frauen kommt erst noch? Wird sich die Beteiligung der Frauen im Laufe eines Generationswechsels deutlicher zeigen?

Mit der Digitalisierung setzen sich viele Studiengänge auseinander. Wir versuchen einen Blick auf die Frauen-Quote in digitalisierungsnahen Berufen zu werfen.

Die Zeit veröffentlichte im Oktober 2019 einen Artikel zu Studienanfängerinnen. Technische Studiengänge wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder aber auch Informatik sind demnach männerdominierte Studiengänge, ein höherer Frauen-Anteil ist bei Grundschullehramt, Psychologie oder Medizin zu finden. Betrachtet man die Usability und User Experience Professionals und den zugehörigen Branchenreport aus 2019, so zeigt sich, dass als Ausbildungshintergrund vor allem Psychologie, Medieninformatik und Kommunikationsdesign angegeben wird. Sind hier also überwiegend „Frauen-Studiengänge“ vertreten?

Laut BMWi sind rund 50 Prozent aller Hochschulabsolventinnen weiblich, bei Promovierenden sind es rund 45 Prozent. Damit wir eine Idee bekommen, wie Frauen bereits in der Ausbildung in digitalisierungsnahen Berufen aufgestellt sind, betrachteten wir die Zahlen der weiblichen Studentinnen des Semesters 2017/2018 unserer Institution: an der Hochschule der Medien (HdM). Die HdM bildet junge Menschen in vielen medienaffinen und damit auch für die Digitalisierung relevanten Berufen aus. Gerade in der Fakultät 3, der Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik, Online-Medien-Management, Informationswissenschaften, aber auch das Informationsdesign zugeordnet werden, war im Semester 2017/18 eine weibliche Studentinnenquote von 53,3% zu verzeichnen. Der Studiengang Informationsdesign beinhaltet unter anderem Lehrinhalte aus dem Feld der Human-Computer-Interaction und vermittelt Konzepte wie die menschzentrierte Gestaltung und die Berücksichtigung von Usability und User Experience.

Es sieht also außergewöhnlich gut aus bei den weiblichen HdM-Studentinnen. Denn auch die anderen Fakultäten verzeichnen Werte nahe oder über 50 Prozent.

Ein Blick auf die Geschlechterverteilung bei den Professorinnen zeigt hier allerdings ein anderes Bild. Hier sind es nicht einmal zwanzig Prozent.

Wann genau geht uns die Frauenquote also verloren? Bei der Familiengründung, der Nichtvereinbarkeit von Job und Familie? Oder sind Frauen einfach nicht so karriereorientiert wie Männer und daher eher als Mitarbeiterinnen zu finden? Liegt es an den Rollenbilder oder liegt es doch an dem Image des Studiengangs selbst, wie Soziologe Dr. Yves Jeanrenaud, Professor für Gender Studies an der Universität Ulm in einem Interview anbringt?

Sicher ist: Die Gleichstellung von Mann und Frau ist ein die Arbeitswelt bewegendes Thema und sollte bereits in der Ausbildung berücksichtigt werden.

Welche Angebote gibt es für Frauen, sich auszutauschen und zu vernetzen?

Viele Frauen in der UUX-Branche haben erkannt, dass eine Vernetzung untereinander hilfreich ist, um sich zu verschiedenen Themen rund um Usability, User Experience und weiteren Aspekten der Mensch-Computer-Interaktion auszutauschen.

Im Folgenden finden Sie eine unvollständige Auswahl von Vernetzungsmöglichkeiten:

Auch für den Nachwuchs wird Einiges angeboten:

  • Beispielsweise findet in etlichen Städten und Unternehmen bundesweit der mittlerweile gut bekannte Girls‘ Day statt
  • Auch bieten viele Schulen, Unternehmen und Hochschulen Aktionen für Mädchen und Frauen in MINT-Berufen an, gute Informationen finden Sie bei dem Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen

Folgende Artikel zeigen lhnen einige Frauen, die im Bereich UUX arbeiten, kämpfen und wirken:

Allgemeine erfolgreiche Frauen aus der Digitalbranche können Sie auch auf der Plattform der Initiative „FRAUENunternehmen“ finden.

Anmerkung:

Dieser Artikel ist bewusst im generischen Femininum geschrieben. Erfahren Sie mehr über unsere Motivation hierzu im ersten Artikel.


21.07.20

Kontakt

Dr. Magdalena Laib
Elisabeth Stein

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