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Im Wizard-of-Oz Prototyping Workshop im UUX-Lab der Hochschule der Medien am 18. Dezember 2019 lernten die Teilnehmer eine Methode kennen, mit der man anspruchsvolle KI-Anwendungen schon früh im Entwicklungsprozess und noch ohne Programmierung mit Nutzern testen kann. Dabei schlüpfen ein oder mehrere menschliche „Wizards" in die Rolle eines scheinbar intelligenten Systems.

Kurz vor Weihnachten trafen sich noch einmal Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg zum ausgebuchten Wizard-of-Oz Prototyping Workshop im UUX-Lab der Hochschule der Medien in Stuttgart. Ihren Namen leiht sich diese Methode von der Geschichte “Der Zauberer von Oz”, in der u.a. um einen scheinbar mächtigen Zauberer geht, der sich aber als normaler Mensch herausstellt, der seine magischen Kräfte durch technische Tricks vorgaukelt. Analog dazu wird bei einem Wizard-of-Oz Prototyp ein scheinbar intelligentes System simuliert, das aber eigentlich durch einen oder mehrere Menschen, die sogenannten “Wizards” gesteuert wird.

Zu den Tricks dieser Wizards zählen zum Beispiel im Voraus aufgenommene Sprachausgaben, Stimmverzerrer oder bereits zum Teil funktionale Komponenten des in Entwicklung befindlichen Systems. Die Ausgaben werden mit einfachen Mitteln auf dem jeweiligen Zielsystem der geplanten Anwendung dargestellt – für die Simulation eines Desktop-basierten Assistenten reicht zum Beispiel schon eine PowerPoint-Simulation, in der die Wizards live die Spracheingaben des Probanden mitschreiben und nebenbei Sprachausgaben über einen Media-Player abspielen. So kann den Probanden einer Studie glaubhaft vermittelt werden, sie haben es mit einem tatsächlich intelligenten, autonom agierenden System zu tun. Wizard-of-Oz Studien können aber auch partizipativ durchgeführt werden, indem die Probanden im Voraus darüber aufgeklärt werden, dass das System von Menschen gesteuert wird. Der Einsatz von Wizard-of-Oz Prototypen erlaubt es, bereits in der Konzeptionsphase Nutzerfeedback zu anspruchsvollen KI-Funktionen zu erhalten und Anforderungen an diese Funktionen bzw. an das System zu erheben. Nach einer Testsitzung kann der Prototyp iterativ angepasst und erweitert werden, ohne dass aufwendige Änderungen an einem Programmcode durchgeführt werden müssen.

Die Grundlagen und der Aufbau von Wizard-of-Oz Studien wurden den Teilnehmern im ersten Teil des Workshops vorgestellt. Im Anschluss daran gab es eine kurze Pause mit Snacks, die mit einer Vorstellung des UUX-Labs und seiner Ausstattung ergänzt wurde. Danach durfen die Teilnehmer selbst in Partnerarbeit in die Rollen von Proband und Wizard schlüpfen: Die Aufgabe der Probanden war es, einen Einladungstext für ein Teambuilding-Event zu verfassen, wobei sie sich durch einen “KI-Assistenten” unterstützen lassen sollten. Der KI-Assistent wurde wiederum durch den Partner in der Rolle des Wizards simuliert. In einer abschließenden Diskussionsrunde stellte sich heraus, dass manche der Wizards als KI-Assistent sogar gerne deutlich emotionaler mit ihren Probanden gesprochen hätten, als es die Textsegmente der Übung zuließen – eine emotionale Ausdrucksweise der KI aber gar nicht unbedingt von den Probanden gewünscht wird. Daran zeigt sich, wie durch Wizard-of-Oz Protytyping auch Unterschiede zwischen den Erwartungen der Entwickler und den tatsächlichen Anforderungen der Nutzer aufgedeckt werden können.

Ein weiterer Workshop zum Wizard-of-Oz Prototyping ist für Januar 2020 geplant. Diesen und alle weiteren Termine rund um Methoden für die Gestaltung der Mensch-KI Interaktion finden Sie hier.


20.12.19

Mehr zum Projekt

Hochschule der Medien
Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability
KI-Trainer Schwerpunkt 4: Methodik

Kontakt

Manuel Kulzer
  • Hochschule der Medien
  • Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability

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