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In unseren vorherigen Blogbeiträgen ging es darum, dass die sich immer schneller verändernden Märkte flexible, agile Ansätze der Produktentwicklung erfordern. In diesem Beitrag stellen wir Scrum als eine besonders weit verbreitete agile Methode detaillierter vor.

Scrum zeichnet sich durch ein iteratives Vorgehen in aufeinanderfolgenden, festen Zeitabschnitten, den sogenannten Sprints, aus. In jedem Sprint soll ein funktionsfähiges Zwischenprodukt (Product Increment) entwickelt werden, wodurch man sich Schritt für Schritt der Produktvision annähert.

Sprints sind zeitlich fixiert (häufig auf 14 Tage) und geprägt durch sogenannte Scrum-Events, die zu festen Zeitpunkten vor, während und nach einem Sprint stattfinden. Diese Events dienen der Kommunikation und Synchronisation aller Mitarbeitenden, der Transparenz sowie der kontinuierlichen Überprüfung und Verbesserung der Produktentwicklungsstrategie.

Neben den Events sind zwei besondere Rollen im Scrum-Team unabdingbar: Der Product Owner und der Scrum Master.

Der Product Owner ist zuständig für die Klärung fachlicher Anforderungen an das Produkt. Sie oder er befüllt und aktualisiert das Product Backlog. Bei dem Backlog handelt es sich um eine Liste mit allen zur Fertigstellung des Produktes notwendige Anforderungen. Darauf basierend werden vor jedem Sprint die Reihenfolge der Zwischenprodukte entsprechend ihrer Unverzichtbarkeit für das funktionierende Endprodukt priorisiert.  

Die Bestandteile des Backlogs sind als sogenannte User Stories formuliert, das heißt, sie adressieren kurz und knapp aus Sicht des Nutzers Funktionalitäten, die das Produkt haben soll. Durch diese Form soll von Anfang an eine hohe Kundenzentrierung und gute Usability sichergestellt werden.

Die zweite Rolle, der Scrum Master, ist verantwortlich für eine insgesamt erfolgreiche Arbeit des Scrum Teams. Sie oder er kümmert sich um das Einhalten der Scrum-Prinzipien im Alltag, regelt organisatorische Belange und verfolgt den Gesamtfortschritt im Projekt. Dadurch wird es dem Team ermöglicht, für die Dauer des Sprints ungestört von äußeren Einflüssen fokussiert zu arbeiten.

Zu Beginn jedes Sprints findet das Sprint Planning statt, in dem das Entwicklerteam gemeinsam mit dem Product Owner für die im Sprint zu bearbeitenden Themen auswählt. Sie überführen dafür User Stories aus dem Product Backlog in ein spezifisches Sprint-Backlog, unterteilen sie in konkrete Aufgaben und schätzen Dauer und Komplexität ein. Dabei ist die Expertise der Teammitglieder gefragt, welche und wie viele Arbeitspakete in einem Sprint machbar sind. Diese Art Kontrolle über die eigene Auslastung zu haben, empfinden viele Mitarbeitende in agilen Kontexten als sehr positiv. Während des Sprints wird das Sprintziel nicht mehr verändert und das Team arbeitet selbstorganisiert an der Umsetzung.

Zur täglichen Abstimmung im Laufe des Sprints finden 15-minütige Daily Standups mit allen Teammitgliedern statt. Product Owner und Scrum Mater nehmen optional, und wenn dann passiv, teil. Dies sind feste Kommunikationspunkte, in denen die Teammitglieder kurz die Arbeit des letzten Tages und die für den neuen Tag geplante Arbeit vorstellen und mögliche Probleme benennen. Hierdurch wird im Team Transparenz hergestellt und Probleme werden schon früh erkennbar.

Zu Ende jedes Sprints finden das Sprint Review und die Sprint Retrospective statt. Ersteres stellt den fachlichen Rückblick auf den Sprint dar, in dem das erarbeitete Zwischenprodukt dem Product Owner und weiteren Stakeholdern vorgestellt und inhaltliches Feedback gegeben wird. So können Rückmeldungen zur bisherigen Arbeit noch vor der Planung der nächsten Schritte aufgenommen werden. Die Sprint Retrospective bietet dem Team auch einen Raum, um mit dem Scrum Master positive und negative Aspekte des zurückliegenden Sprints und der Arbeitsweise im Team anzusprechen. So können auch die Zusammenarbeit und das Arbeitsklima im Team kontinuierlich verbessert werden.

Durch agile Arbeitsweisen wie Scrum lassen sich eine Vielzahl von positiven Auswirkungen erzielen, wie z.B. die Erhöhung der Zufriedenheit von Mitarbeitenden, Steigerung der Arbeitsqualität und eine Verkürzung der Time to Market.

 


31.05.18

Kontakt

Dr. Michael Minge
  • Technische Universität Berlin
  • Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability

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