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Das Startup Shadow Your Future hat eine Plattform entwickelt, auf der Jugendliche Angebote für Berufseinblicke und Praktika bei lokalen Unternehmen finden und anfragen können. So soll es ihnen früh ermöglicht werden, Berufserfahrungen zu sammeln und einen Job zu finden, der zu ihren Interessen passt. Diese Plattform soll nun durch eine App abgelöst werden, die mit KI Vorschläge für passende Angebote macht. Das Grundgerüst dieser App wurde im Rahmen eines Workshops entworfen.

Im November trafen sich das Team des Startups Shadow Your Future und KI-Trainer Manuel Kulzer im UX-Research-Lab der Hochschule der Medien, Partner des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Usability. Hier sollte ein Workshop durchgeführt werden mit dem Ziel, ein Konzept zu erstellen, wie die bestehende Vermittlungs-Dienstleistung von Shadow Your Future in eine neue für die Zielgruppe optimierte, KI-unterstützte App umgebaut werden könnte.

Die Web-Plattform von Shadow Your Future ermöglicht es Jugendlichen, Angebote für sog. Shadowings, d.h. zeitlich flexible Praktika und Besuche in Unternehmen, in ihrer Umgebung zu finden und zu nutzen. Damit sollen ihnen die Berufsorientierung erleichtert und Einblicke in Berufszweige gewährt werden, die sie vorher womöglich gar nicht kannten oder von denen sie keine konkrete Vorstellung hatten.

Die Plattform hat jedoch auch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen – u.a. damit, dass Jugendliche sich bei der Formulierung von Anschreiben oder der Kommunikation mit Unternehmen schwertun, wenn einmal der Kontakt hergestellt wurde. Einige dieser Nutzungsprobleme waren dem Team von Shadow Your Future bereits durch ihre vielen Gespräche mit Schülern bekannt. Um ein noch detaillierteres und vollständiges Bild der Ausgangssituation zu erhalten, wurden zu Beginn des Pilotprojekts Kontextinterviews bzw. Contextual Inquiries durchgeführt, d.h. eine Kombination aus Beobachtung und Befragung der Schüler bei der Nutzung der Plattform. Die Erkenntnisse wurden in Form von Problemszenarien festgehalten, eine Form von Szenarien aus dem Scenario-based Design (Rosson & Carroll, 2002). Die Problemszenarien schildern anschaulich, wie eine fiktive Schülerin als Vertreterin der Zielgruppe der Jugendlichen über Praktika und die Plattform denkt, wie etwa in diesem Ausschnitt:

„Emelie ist Realschülerin, 15 Jahre alt und weiß nicht, was sie nach der Schule werden möchte. Sie spielt mit dem Gedanken, auf die weiterführende Schule zu gehen, da sie sich momentan für keine Ausbildung entscheiden kann. … Viele Berufe kennt sie entweder nicht oder wirken langweilig auf sie. Wenn sie die Stellenbeschreibungen von Unternehmen liest, versteht sie viele Fachbegriffe nicht und wird von den vorausgesetzten Kenntnissen abgeschreckt. Was sie später einmal beruflich machen will, kann sie ja immer noch in ein paar Jahren auf der weiterführenden Schule entscheiden, denkt Emelie – daher ist ihr ein Praktikum aktuell auch nicht so wichtig.“

Aufbauend auf diesen Problemszenarien wurden Ideen gesammelt, wie die Nutzung eines neuen Systems in Zukunft aussehen und ablaufen könnte. Mit diesen Ideen und den Problemszenarien als Orientierung starteten Jill Hollender, Filippo Sciacca und Maria Desiderio von Shadow Your Future und Manuel Kulzer vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability in den KI-Service-Blueprint-Workshop, eine Methode, die im Zentrum für die Konzeption von KI-unterstützten interaktiven Systemen bzw. Prozessen entwickelt worden war (Spohrer et al., 2020). Zuerst wurde die User Journey besprochen, d.h. die chronologische Abfolge der Interaktionen der Jugendlichen mit dem aktuellen System. Dazu gehören z.B. an erster Stelle das „Aufmerksam werden“ auf Shadow Your Future im Rahmen einer Unterrichtsstunde, die Registrierung auf der Plattform und das Aussuchen von Shadowing-Angeboten. Die User Journey wurde in die entsprechende Zeile des Blueprints eingetragen und bildete damit den Prozess ab, der in der neuen App umgesetzt werden sollte.

Ausgehend von jedem Schritt der User Journey wurde nun in die Tiefe gedacht – welche Ressourcen (Arbeitsmittel, Informationen und Dokumente) für jeden Abschnitt benötigt werden, wie die Verteilung der Aktivitäten zwischen Nutzenden und System aussehen sollte sowie was zur Umsetzung im Frontend und im Backend gebraucht wird. Für die Registrierung von Jugendlichen unter 16 Jahren ist beispielsweise die schriftliche Einwilligung der Eltern erforderlich, die daher in die „Ressourcen“-Zeile in der entsprechenden Spalte eingetragen wurde. Beim Schritt „Aussuchen von Shadowing-Angeboten“ wurde auf der Ebene der „Aktivitäten des Systems“ festgehalten, dass hier eine selbstlernende KI Vorschläge machen sollte, die zu den Interessen und schulischen Stärken der Jugendlichen passen. Dazu wurde u.a. auch überlegt und dokumentiert, welche Daten ein Machine-Learning-Algorithmus bräuchte, um passende Vorschläge zu generieren und woran der Erfolg der KI gemessen werden könnte.

Das Ergebnis war nach rund 2,5 Stunden tatsächlich ein weitgehend ausgefüllter KI-Service-Blueprint, wenn auch mit einigen noch offenen Punkten, an denen im Nachgang weitergearbeitet wird. In der letzten halben Stunde des Workshops wurde zudem noch darauf eingegangen, wie mithilfe der Erlebniskategorien und der Erlebnispotenzialanalyse Konzepte für positive User Experience in das System integriert werden können. Das Ergebnis ist ein erstes Konzept für die Umsetzung der Plattform als App, das um neue Ideen und Funktionen erweitert wurde, die sowohl Jugendlichen als auch Unternehmen die Nutzung erleichtern sollen. Mit dem Abschluss des Workshops ist nun auch das KI-Pilotprojekt mit Shadow Your Future abgeschlossen, der Kontakt soll aber weiterhin aufrechterhalten werden. Wir freuen uns darauf, von den nächsten Entwicklungen des Startups zu hören!


14.12.22

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