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Sie gilt als die erste Programmiererin der Welt: Ada Lovelace. Die Mathematikerin wurde nicht einmal 37 Jahre alt und hat es trotzdem geschafft, dass man eine Programmiersprache nach ihr benannt hat. Wer ist diese Frau? Und was können wir heute, fast 200 Jahre später, von ihr lernen?

In die Geschichtsbücher hat es die Britin Ada Lady Lovelace (1815 – 1852) geschafft, indem sie Mitte des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit dem britischen Mathematiker Charles Babbage die Analytical Engine weiterentwickelte. Die Analytical Engine, die übrigens nie gebaut wurde, ist eine riesige mechanische Rechenmaschine und wird als eine Art erster Computer bezeichnet. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Erfinders Babbage übersetzte Lovelace 1843 einen Text des italienischen Wissenschaftler Luigi Federico Menabrea. Der Text “Sketch of the Analytical Engine” war eine Beschreibung der Analytical Engine. Lovelace Übersetzung hatte allerdings eine Besonderheit: Animiert durch Babbage hielt sie in der wesentlich längeren Übersetzung auch detailliert ihre eigenen Anmerkungen zu der Maschine und Ideen zur Rechnerarchitektur sowie Programmierung fest. Sie selbst wäre darauf nicht gekommen, da Frauen in dieser Zeit so gut wie gar nicht wissenschaftlich veröffentlichten. Damit trug Lovelace wesentlich zur Bekanntheit der Analytical Engine bei. Gemeinsam mit Babbage entwickelte sie ein Programm für die Maschine und zeigte, wie diese als Universalrechner angewendet werden könnte. Sie hielt die einzelnen Berechnungsschritte detailliert fest, was heute als ein erstes Computerprogramm angesehen wird. Inspiriert in ihrer Leidenschaft wurde Lovelace unter anderem durch Mary Somerville, einer der wenigen anderen Mathemathikerinnen. Mit ihr vernetzte sie sich.

Ada Lovelaces Vater war der Dichter Lord Byron, ihre Mutter förderte früh ihr mathematisches Können. Lovelace vereinigte beide Welten in ihrer Arbeit, die in einer Phase des Umbruchs (es war die Zeit des industriellen Revolution) stattfand. Solche gesellschaftlichen Veränderungen profitieren von Menschen, die Vorstellungskraft und technisches Verständnis vereinen.

Ada Lovelaces Leben war auch geprägt von Tragik und Krankheiten. Wie sehr sie jedoch für ihre Themen brannte, lässt sich ihren ambitionierten Briefen an Freunde und Familien entnehmen. Lovelaces früher Beitrag zu Computerwissen, Maschinendenken und zur Künstlichen Intelligenz wurde lange Zeit vernachlässigt und erst seit den 1980er gebührend gewürdigt. Das mag wohl daran gelegen haben, dass Frauen in England erst ab den 1870ern studieren konnten und Männer in der Wissenschaft überwogen. Lovelace war es nicht gestattet, eine eigene wissenschaftliche Karriere zu verfolgen. Mit ihren „Notes“ konnte sie sich allerdings etwas Gehör verschaffen. Dennoch ist es bemerkenswert, wie zielstrebig und beharrlich sie an ihren Vorhaben arbeitete und sich damit auch über Konventionen der Zeit hinweg setzte. Mittlerweile gilt sie als “Vordenkerin der digitalen Revolution” (Isaacson 2018), das amerikanische Verteidigungsministerium benannte sogar eine Programmiersprache nach ihr.

Was zeigt uns das Beispiel Lovelace?

Das Andenken an Ada Lovelace ist zwiegespalten: Einerseits wird sie als Ikone gefeiert, andererseits werden ihre Beiträge nicht von allen Expertinnen als qualifiziert betrachtet. Wir können das nicht beurteilen, beeindruckt hat uns jedoch ihr Mut, sich als Frau in dieser Zeit und auf diesem Gebiet durchzukämpfen. Ihre Ideen klingen für uns visionär. Doch sich zu trauen, die eigene Sichtweise auf Dinge zu vertreten, Wissen in Diskussionen einzubringen und sich über Konventionen, Autoritäten und Grenzen hinwegzusetzen, erfordert auch heute noch, nahezu zwei Jahrhunderte später, gerade für Frauen große Energie und Durchsetzungsvermögen. Die Frauen sind da – die Gleichberechtigung noch immer nicht. In diesem Sinne wollen wir den Artikel mit einem Zitat von Sheryl Sandberg (Co-Geschäftsführerin (COO) von Meta Platforms und Milliardärin) schließen: “We need women at all levels, including the top, to change the dynamic, reshape the conversation, to make sure women’s voices are heard and heeded, not overlooked and ignored.” – Sheryl Sandberg

 

Gastautorin: Valentina Kress


18.02.22

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