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Foto von Engin Akyurt von Pexels

In den kommenden Wochen bringen wir Ihnen in dieser Artikelreihe verschiedene User Experience (UX)-Pattern näher. Neben einer kurzen Vorstellung des jeweiligen Patterns erhalten Sie ein Merkblatt mit allen Informationen zum Pattern wie zur Verwendung, den Vorteilen und konkreten Anwendungsbeispielen. In diesem Artikel wollen wir Sie mit UX-Patterns im Allgemeinen und deren Ursprung vertraut machen.

Was sind UX-Patterns?

UX-Patterns lehnen sich an die Grundidee der Interaction Patterns an. Dabei handelt es sich um Lösungsvorschläge für Interaktionen, die der Nutzende mit einem Produkt hat. Obwohl diese Patterns Lösungen für konkrete Anwendungsfälle vorschlagen, sind sie abstrakt genug, um die Ausgestaltung offen zu lassen und sind somit flexibel an die Software anpassbar.

UX-Patterns nutzen die Vorteile von Interaction Patterns, um übertragbare positive Erlebnisse mit einer Software gestalten zu können. Sie liefern nicht nur Unterstützungsinstrumente zur Gestaltung positiver User Experience, sondern auch bereits erprobte und überprüfte Gestaltungskonzepte, die für Arbeitskontexte entwickelt wurden. Somit bilden sie eine Art „Schablone“, die man bei der Gestaltung positiver Erlebnisse direkt anwenden kann. So können zum Beispiel Möglichkeiten, sich zu bedanken oder Sinn in der Arbeit zu empfinden, in ein Gesamtkonzept integriert werden.

Wie wurden die UX-Patterns entwickelt?

Die Grundlage aller Patterns ist eine erlebnisorientierte Gestaltung von Interaktionskonzepten für verschiedene Unternehmen (z. B. mithilfe einer Erlebnispotentialanalyse (Laib, Burmester, & Zeiner, 2017)).

Die entwickelten Konzepte wurden als Videoprototypen umgesetzt und evaluiert. Beispielsweise wurde gemeinsam mit der Industriellen Steuerungstechnik GmbH eine Möglichkeit zum erneuten Ansehen von bisher gemachten Bearbeitungsschritten an einem 3D-Modell in Form eines kurzen Videos (Stolz-Pattern) entwickelt. Mit der SIC! Software GmbH wurde eine Konzept entwickelt, bei dem sich Mitarbeiter gegenseitig bedanken können, wenn ihnen hilfreiche Informationen bereitgestellt wurden (Danke-Pattern).

Die Evaluation erfolgte mittels der Valenzmethode. Diese Methode dient der Optimierung der User Experience von interaktiven Produkten und Services, so Burmester et al. (2010). Die Teilnehmenden werden aufgefordert, während einer explorativen Nutzungsphase auf ihre Emotionen zu achten und diese mittels eines sogenannten „Valenzmarkers“ zu dokumentieren. Haben sie positive Gefühle, so betätigen sie eine Plus-Taste, bei negativen Gefühlen drücken sie eine Minus-Taste. Anschließend wird der Teilnehmende zu jedem dieser Valenzmarker befragt. Somit kann geklärt werden, welcher gestalterische Aspekt für das Erlebnis verantwortlich war und welches Bedürfnis zugrunde liegt. Aus den positiv erlebten Elementen der Prototypen wurden anschließend die UX-Pattern entwickelt. Inwiefern diese Konzepte positive Erlebnisse erzeugen, wird in den jeweiligen UX-Patterns genauer erläutert.

Wie sind UX-Patterns aufgebaut und welchen Nutzen erfüllen sie?

Die entwickelten UX-Patterns beschreiben Vorrausetzungen, zeigen, wann sie angewendet werden können und welche Erlebnisse für den Nutzenden daraus resultieren. Sie beinhalten folgende Informationen, die für die Anwendung des Patterns relevant sind:

  • Eine Kurzbeschreibung gibt einen prägnanten Überblick über das Pattern und ein Verständnis für den Anwendungskontext.
  • Eine Liste positiver Auswirkungen des Patterns zeigt den Nutzen, den man durch eine Anwendung hat.
  • Hinweise, die bei der Umsetzung des Patterns zu beachten sind, helfen dabei, unnötige Fehler zu vermeiden, die einem positiven Erlebnis im Weg stehen könnten.
  • Eine Empfehlung zu möglichen Anwendungsfällen unterstützt bei der Entscheidung, ob es sinnvoll ist, das entsprechende Pattern im individuellen Fall ein- bzw. umzusetzen.
  • Anwendungsbeispiele zeigen konkrete konzeptionelle Lösungen, die in realen Softwares Anwendung finden und das Pattern adressieren.
  • Die Erlebniseigenschaften zeigen auf, welche Bedürfnisse, Erlebniskategorien und Emotionen von dem Pattern angesprochen werden.
  • Evaluationsergebnisse und weitere Hintergrundinformationen schaffen einen Überblick über verwandte Forschungsergebnisse sowie über bereits durchgeführte Studien, in denen das entsprechende Pattern auf seine Wirkung hin überprüft wurde.

Dank dieser umfangreichen Inhalte bieten die Patterns fundierte Lösungen für Unternehmen, die positive Erlebnisse in ihrer Software schaffen wollen.

Quellen

Burmester, M., Mast, M., Jäger, K., & Homans, H. (2010, August). Valence method for formative evaluation of user experience. In Proceedings of the 8th ACM conference on Designing Interactive Systems (pp. 364-367).

Laib, M., Burmester, M., & Zeiner, K. M. (2017). Erlebnispotentialanalyse – Mit Systematik zu positiven Erlebnissen. In S. Hess & H. Fischer (Eds.), Mensch und Computer 2017 - Usability Professionals. https://doi.org/10.18420/muc2017-up-0233

Autorinnen: Amelie Bustorff, Kristin Haasler


18.01.21

Kontakt

Prof. Dr. Michael Burmester
Dr. Magdalena Laib

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