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Weiter geht es mit unserer Serie "UUX im Mittelstand", mit der wir Euch spannende Einblicke in die UUX-Szene bieten & die Frage beleuchten, welche Herausforderungen es hinsichtlich der Integration von UUX-Praktiken in die Geschäftsprozesse von kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt. Heute präsentieren wir Euch die spannenden Antworten von Elske Ludewig!

Elske Ludewig ist Principal UX-Consultant & Managing Partner bei der eresult GmbH, einer bekannten Agentur für Usability und User Experience. Sie ist außerdem aktiv im Branchenverband bitkom und Mitglied der German UPA und gibt Ihr Wissen in Blog- und Fachartikeln weiter und jüngst auch in ihrem Buch “Usability und UX für Dummies”. 

 

Frau Ludewig, im Mai 2020 ist Ihr (sehr lesenswertes) Buch „Usability und UX für Dummies“ erschienen. Was war Ihre Motivation zum Verfassen dieses Buches?

Ich beschäftige mich ja schon seit fast 13 Jahren mit den Themen Usability und User Experience und als der Wiley-Verlag dann vor 2 Jahren auf mich zukam, habe ich nicht lang gezögert und zugesagt. Gerade das Konzept der Dummies-Reihe hat mich gereizt: Möglichst einfach und auf eine lockere Art zu vermitteln, was Usability eigentlich ist und warum es sinnvoll ist, sich damit zu beschäftigen. Ich wollte die Chance einfach nutzen, diese Themen noch mehr Menschen zugänglich zu machen. Denn am besten funktioniert Nutzerzentrierung in einem Unternehmen, wenn möglichst viele Mitarbeiter das gleiche Verständnis von der Bedeutung von Benutzerfreundlichkeit haben. Und mit einem Buch, in dem das Lesen Spaß macht, kommt man diesem Ziel vielleicht etwas näher 😊. Aber natürlich soll es auch Kleinunternehmern und Webmaster ein bisschen Rüstzeug an die Hand geben, selbst aktiv zu werden und Dinge direkt selbst verbessern zu können. Da profitieren am Ende alle davon.

Können Sie uns aus Ihrem Alltag als Managing Director der eresult GmbH berichten, mit welchen Herausforderungen besonders mittelständische Unternehmen in Bezug auf UUX-Themen am häufigsten zu kämpfen haben?

Zunächst einmal fängt es mit dem oben erwähnten Verständnis an, das in möglichst vielen Disziplinen bzw. Abteilungen vorhanden sein sollte. Denn wenn nicht erkannt wird, dass Usability ein Erfolgsfaktor ist, werden auch keine Budgets dafür abgestellt. Und es ist ja nicht nur Geld, sondern auch Manpower, die hier benötigt wird. Es müssen Mitarbeiter eingesetzt werden, die sich explizit nur mit dem Thema beschäftigen. Und diese müssen dann auch entsprechendes Gehör finden und eine gewichtige Stimme bekommen, sonst versiegt das Invest.

Also kurz gesagt: Das Management muss den Bedarf erkennen, das Ziel und die Einstellung zu UUX klar kommunizieren und im Finanzplan berücksichtigen. Darüber hinaus helfen anfangs auch kleinere Pilotprojekte, die der Belegschaft zeigen, was man mit UUX überhaupt erreichen kann und wie man dort hinkommt. Prozesse müssen erlebt werden, damit das Mindset sich entwickeln kann, so meine Erfahrung. Und das Thema darf nicht im stillen Kämmerlein vorangetrieben werden, sondern muss transparent und zugänglich sein.

Was sind Ihrer Meinung nach, die größten Hindernisse in der Integration von Usability-Methoden und Praktiken in mittelständischen Unternehmen?​​​​​​​

Einiges hatte ich oben ja schon erwähnt. Die Überzeugung im Management muss da sein, sonst haben es „Einzelkämpfer schwer“. Letztendlich ist ja das Ziel, UUX strategisch zu verankern und nicht nur punktuell mal ein Projekt zu machen. Und da muss man alle mitnehmen, vom Abteilungsleiter bis hin zum Hausmeister. Und das zu erkennen und sich dabei helfen zu lassen, ist eine große Hürde. Denn mit konkreten Zahlen lässt sich der Wert von UUX nun mal schwer belegen, das ist eine Einstellungssache, die sich langfristig auszahlt (auch wenn man den Erfolg nicht immer direkt auf UX-Aktivitäten zurückführen kann).

Wie hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 10 Jahren das Bewusstsein für die Notwendigkeit Usability und User Experience im Unternehmenskontext zu verorten gewandelt?

Es scheint ein wenig „in Mode“ gekommen zu sein. Allerdings beobachten wir dabei auch, dass verschiedene Begriffe vermischt oder falsch verwendet werden. Das sieht man schon an den Stellenausschreibungen: Da steht neuerdings überall „UX“ davor. Auch wenn ein Visual Designer gesucht wird, schreibt man „UX Designer“. Obwohl in unserem Verständnis UX Design der ganzheitliche Prozess ist. Das Gestalten eines Services, Erlebnisses oder einer Oberfläche fängt nun mal mit der Anforderungsanalyse an.

Es gibt also ein gesteigertes Bewusstsein für UUX, aber leider teilweise immer noch in dem Sinne, dass man UX als das „Hübsch-machen“ versteht. Das ist sehr schade und geht vorbei an dem eigentlichen Gedanken von User Centered Design. Und führt am Ende auch nicht zum gewünschten Erfolg.

Was sind Ihre Handlungsempfehlungen für den Mittelstand?

Punktuelle Usability-Tests sind gut und es hilft sicherlich auch schon, wenn man Tests fest in die Entwicklungsprozesse integriert. Eine wirklich nutzerzentrierte Denkweise erreicht man aber nur, wenn UUX alle Abteilungen durchdringt. Der Prozess dahin dauert lange, aber auch der Weg dorthin ist schon ein wertvoller, bei dem man viel lernt und vieles besser machen kann. Unternehmensentwicklung ist ja auch nicht zum Zeitpunkt x abgeschlossen und genauso sollte man den Weg zum nutzerzentrierten Unternehmen sehen. Nicht vor den großen Aufgaben kapitulieren, sondern sich kleine Schritte vornehmen, umsetzen, lernen und weitermachen. Manchmal hilft auch ein Blick von außen, der einem nicht nur neue Sichtweisen bringt, sondern dafür sorgt, dass man seine Ziele im Alltag nicht aus den Augen verliert und auch mal freundlich angeschubst wird. Das bekommen wir immer wieder zurückgemeldet: Ich kann als externer Berater kein Unternehmen verändern, aber ich kann Impulse geben, Wege aufzeigen und diese begleiten. Und dieser kleine Schub hilft manchmal schon ungemein, um Dinge voranzubringen und durchzuhalten.

Vielen Dank, Frau Ludewig, für dieses interessante und aufschlussreiche Interview!


17.11.20

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