Workshop zu ethischen Aspekten in der HCI

(c) Michael Minge
Zusammen mit weiteren Kolleginnen und Kollegen der TU Berlin hat Dr. Michael Minge einen Workshop zum Umgang mit ethischen Herausforderungen in der Gestaltung von Mensch-Technik-Interaktion auf der diesjährigen Konferenz Mensch und Computer in Dresden angeboten. Im Rahmen des Workshops erarbeiteten und diskutierten etwa 20 Teilnehmende aus Wissenschaft und Anwendung Best-Practice-Beispiele zu typischen Problemfeldern.

Seit einigen Jahren nimmt die Diskussion über ethische Verantwortung von Technologieentwicklern einen immer größeren Raum in der Literatur ein. Selten jedoch werden praktische Maßnahmen fokussiert, die helfen können, ethische Aspekte im Entwicklungsalltag zu berücksichtigen. In einem Workshop, der am 02.09.2018 zu Beginn der Konferenz Mensch und Computer in Dresden durch Dr. Michael Minge, Dr. Stefan Brandenburg, Friederice Schröder, Anna K. Apeldorn und Janna Protzak von der TU Berlin organisiert wurde, bearbeiteten circa 20 Teilnehmende auf der Grundlage von typischen ethischen Herausforderungen Best-Practice-Empfehlungen. Außerdem wurden in einem ersten Teil des Workshops in vier Präsentationen Möglichkeiten vorgestellt, wie ethische Verantwortung frühzeitig und kontinuierlich in Projekten berücksichtigt werden kann.

In der gemeinsamen interaktiven Arbeit wurden die folgende Empfehlungen erarbeitet.

Für die Umsetzung menschzentrierter Gestaltungsaktivitäten beiten sich folgende Heuristiken an:

  1. Beschreiben Sie Ihre Studie so, dass jede Person deren Ziele und das Vorgehen versteht.
  2. Ermöglichen Sie die vollständige Anonymisierung der Probanden, immer und unter allen Umständen.
  3. Behandeln Sie die Daten der Probanden mit Umsicht. Die Daten gehören den Probanden, nicht Ihnen.
  4. Lassen Sie Ihren Probanden jederzeit die Möglichkeit, ohne negative Konsequenzen und ohne Angabe von Gründen von einer Teilnahme zurückzutreten.
  5. Kümmern Sie sich um Ihre Probanden, planen Sie Pausen ein und sorgen Sie für eine angenehme Situation.
  6. Zeigen Sie Ihren Probanden, dass Sie Ihre Mitwirkung schätzen, z.B. durch eine angemessene Vergütung.

Für die konkrete Durchführung von Projekten in der Technikgestaltung wurden folgende Empfehlungen erarbeitet:

  1. Verwenden Sie als Auftraggeber für eine Studie Standardverträge für rechtliche Punkte (z.B. wer darf als Dritter welche Daten verwenden bzw. bekommen).
  2. Bleiben Sie Ihren Absprache mit Auftragnehmern, Auftraggebern und Probanden immer treu. Wenn jemand etwas verlangt, dass ursprünglich anders vereinbart wurde, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, sondern versuchen Sie, die Situation Ihren Werten entsprechend zu drehen.
  3. Geben Sie Probanden die Möglichkeit, Rohdaten zu sichten und ggf. zu schwärzen, insbesondere wenn es sich um qualitative Angaben und um explorative Fragestellungen handelt.
  4. Ziehen Sie unabhängige Exthik-Expert/innen in Ihr Projekt hinzu.
  5. Kommt es zu Zwickmühlen: Sehen Sie nicht einfach darüber hinweg, halten Sie nicht Klappe, überlegen Sie sich eine zielführende und planvolle Kommunikationsstrategie.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Workshops unter diesem Link.


04.09.18

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Dr. Michael Minge