Kawaii – Zuckersüße UX in Japan

Eine besondere Spielart des japanischen Designs ist "Kawaii" (deutsch: "süß", "niedlich"), welches zunehmend auch Einzug in westliche Produkte hält. Ein aktueller Artikel des Metropolitan Museum of Art beschreibt die Ursprünge dieses Trends. Es zeigt sich: "Kawaii" hat mittlerweile auch Einflüsse auf den Bereich Usability und UX.

Japan ist ein Land der Gegensätze – und genauso verhält es sich auch mit seinen Design-Ansätzen. Einerseits gibt es das ruhige, minimalistisch-natürliche "Wabi-Sabi"-Design, wie es z.B. im Gartenbau Anwendung findet. Andererseits gibt es das übertrieben bunte und sinnesüberflutende "Chirashi"-Design, das z.B. in Leuchtreklamen und Werbeprospekten genutzt wird [1].

Eine besondere Spielart des modern-bunten Designs ist "Kawaii" (deutsch: "süß", "niedlich"), welches zunehmend auch Einzug in westliche Produkte hält. Ein aktueller Artikel des Metropolitan Museum of Art beschreibt die Ursprünge dieses Trends [2]: In den 1970er Jahren haben japanische Jugendliche damit begonnen, eine eigene "kindliche" Handschrift mit rundlichen Buchstaben zu nutzen. Dieser Stil wurde von Werbeagenturen in den 1980er Jahren aufgenommen und mündete in Pop-Kultur-Artefakten wie "Hello Kitty", "Pokemon", Cosplay und Cute Art.

Auch im Bereich Usability und UX sieht man Auswirkungen von "Kawaii". Man denke nur an erfolgreiche Business Software wie Slack: In Chats mit Arbeitskollegen kann man hier süße Emojis (aus dem Japanischen für "Bildschriftzeichen") einfügen. In Japan selbst ist dieser Trend des "Süß-Spielerischen" noch viel präsenter. Das zwingt Unternehmen unter anderem zu Anpassungen ihrer Benutzeroberflächen in Asien [3]. Gleichzeitig sind Designstudios entstanden, die sich auf interaktive Erlebnisse spezialisiert haben [4]. Ziel bei den entstehenden Produkten ist insbesondere die Schaffung einer emotionalen Bindung mit den Nutzern [5].

Interessanterweise geht "Kawaii" in Japan auch in Bereiche des Alltagslebens ein, in denen man es in Europa als eher unpassend erachten würde. Pinke Bagger auf Baustellen, Manga-Charaktere im Wahlkampf oder niedliche Maskottchen bei Armeeübungen sind Phänomene, die derzeit auch in der Wissenschaft untersucht werden [6].  

[1] https://info.moravia.com/blog/why-japanese-web-design-is-still-the-way-it-is

[2] https://mymodernmet.com/kawaii-art-japanese-culture/

[3] https://medium.com/@Ticketbis/the-challenge-of-designing-ux-and-ui-in-japan-71db210dce5b

[4] https://www.teamlab.art/products/

[5] https://escholarship.org/uc/item/9xz0m8mn

[6] https://www.akbild.ac.at/Portal/kunst-forschung/doktoratszentrum/dissertationen-und-phd-projekte/dissertationen-und-phd-projekte/die-kawaii-kultur-in-tokio-an-der-schnittstelle-zu-kunst-design-und-alltagskultur-mikro-und-makroebenen-visueller-kommunikation-und-produktion


31.08.18