1
2
3
4
5
6

Der Vortrag von Nadine Schlicker und Dr. Markus Langer auf der UIG-Tagung am 7. April 2020 an der Universität Mannheim stellt die Relevanz von Gerechtigkeit im Systemdesign anhand einer wissenschaftlichen Studie für ein intelligentes Schichtplansystem vor. Die Gerechtigkeit von organisationalen Prozessen und Ergebnissen dieser Prozesse beeinflusst das Wohlbefinden auf der Arbeit. Demnach nimmt das Konzept Gerechtigkeit auch einen zentralen Stellenwert beim Design intelligenter Systeme zur Unterstützung organisationaler Prozesse ein.

Digitalisierung und Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz führen immer mehr zur Automatisierung von Prozessen, Arbeitsschritten und Tätigkeiten. Im Zuge dieser Entwicklung werden auch zunehmend Entscheidungen automatisiert, die zuvor von Menschen getroffen wurden. Diese Automatisierung erfordert eine Formalisierung von Abläufen sowie die Spezifikation und Festlegung von Regeln. Gerade in Bezug auf die Verteilung von knappen Ressourcen oder die Optimierung von Abläufen sind diese Regeln wichtig.

Dabei hat das Thema Gerechtigkeit eine ganz besondere Rolle. Die wahrgenommene Gerechtigkeit von Prozessabläufen, die informationale Gerechtigkeit während der Prozesse sowie die wahrgenommene Gerechtigkeit der Ergebnisse aus diesen Prozessen, stehen in engem Zusammenhang mit dem Wohlbefinden und der Arbeits-zufriedenheit von Mitarbeitenden. Dies zeigt sich vor allem im Bereich der Dienstplanung, in der sowohl gesetzliche (z.B. Mindestruhezeiten) und ergonomische  Anforderungen (z.B. aufsteigende Schichtfolgen) als auch individuelle Bedürfnisse (z.B. Familien- und Freizeitanforderungen) beachtet und integriert werden müssen. Intelligente Systeme können dabei helfen, diese komplexen Planungsanforderungen zu unterstützen. An dieser Stelle ist es, aus Sicht des Designers, jedoch besonders wichtig zu verstehen, welche Art von Prozessen und Erreichung von Prozessergebnissen von NutzerInnen als gerecht wahrgenommen werden – was also einen gerechten Dienstplan ausmacht. Sollen Eltern bevorzugt Frühdienste bekommen? Sollen alle gleich behandelt werden? Oder sollen vielleicht diejenigen Mitarbeitenden, die besonders viel leisten, in der Dienstplanung bevorzugt werden?

Im Forschungsprojekt GamOR (Gamification of Roster) sind wir diesen Fragen auf den Grund gegangen und haben ein Konzept zur kollaborativen, algorithmenbasierten Dienstplanung entwickelt. In umfassenden Analysen mit Pflegekräften verschiedener Qualifikation erarbeiteten wir ein mehrschrittiges Gerechtigkeitskonzept. Darauf aufbauend erforschten wir gemeinsam mit der Universität des Saarlandes die Unterschiede in Gerechtigkeits-wahrnehmungen zwischen Prozessen mit menschlichen und automatisierten Entscheidungsagenten. Zudem wurde die Rolle von verschiedenen Erklärungen für Entscheidungsergebnisse untersucht. Diese Forschung lieferte wichtige Anhaltspunkte für die zukünftige Entwicklung gerechter (intelligenter) Systeme. Im Vortrag werden die verschiedenen Facetten von Gerechtigkeit sowie unterschiedliche Gerechtigkeitsnormen vorgestellt und am Beispiel der Dienstplanung erläutert. Implikationen für das Design fairer Systeme werden vorgestellt und Spannungen zwischen Erwartungen der NutzerInnen und immer lauter werdenden Forderungen von erklärbaren intelligenten Systemen diskutiert.

Über Nadine Schlicker:

Nadine Schlicker machte ihren Master in Psychologie an der Universität des Saarlandes mit dem Schwerpunkt Arbeits- & Organisationspsychologie (A&O-Psychologie). Ihre Interessensgebiete umfassen Mensch-Maschine Interaktion, und darin spezifisch die Erklärbarkeit intelligenter Systeme und wie sich diese auf Fairness & Vertrauen auswirkt. Seit 2017 arbeitet sie bei Ergosign GmbH als UX Researcher und betreut dort das Forschungsprojekt GamOR (Gamification of Roster), welches sich mit kollaborativer, algorithmengestützter Dienstplanung im Pflegekontext beschäftigt.

Über Dr. Markus Langer:

Dr. Markus Langer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für A&O-Psychologie an der Universität des Saarlandes, Projektmitverantwortlicher des Projektes „Explainable Intelligent Systems“ sowie Gründungsmitglied von Algoright, einem Verein der sich zu Themen rund um menschzentrierte Digitalisierung beschäftigt. Seine Forschung beschäftigt sich vor allem mit der Ausgestaltung von Mensch-Maschine Kollaboration.

Über die Ergosign GmbH:

Die Ergosign GmbH ist ein führender UX-Dienstleister im deutschsprachigen Raum und begleitet seine Kunden von der Produktidee bis zu deren Umsetzung und Markteinführung in enger, ganzheitlicher Zusammenarbeit. Aktuell beschäftigt Ergosign mehr als 180 UX Spezialisten an insgesamt sechs Standorten in Deutschland und in der Schweiz. Seit 2019 ist Ergosign mit einem Joint Venture auch auf dem chinesischen Markt vertreten.

Über den Lehrstuhl A&O Psychologie der Universität des Saarlandes:

Die A&O-Psychologie ist ein psychologisches Anwendungsfach, das in den letzten Jahren zunehmend mehr Bedeutung erlangt hat. Die Aufgaben von A&O-Psychologinnen und -Psychologen sind es, das Erleben und Verhalten von Menschen am Arbeitsplatz zu beschreiben, zu analysieren, zu erklären, vorherzusagen und zu gestalten. A&O-Psychologinnen und -Psychologen arbeiten häufig in Personalabteilungen oder Unternehmensberatungen und bemühen sich dort z.B. um eine gute Personalauswahl, effektive Personalentwicklung und störungsarme Organisationsentwicklungsmaßnahmen. Der Lehrstuhl A&O-Psychologie der Universität des Saarlandes beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Personalauswahl, des Zeitmanagements und der Arbeitsplatzunsicherheit bzw. Kündigung.

Weitere Informationen zur UIG-Tagung 2020 finden Sie hier:


24.02.20

1
2
3
4
5
6
 
 
Copyright