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Das UXcamp Europe ist eine internationale UX Konferenz mit einem 24h Remote-First Format und fand vom 5. bis 6. Juni 2021 statt. Mit mehr als 1.100 Teilnehmenden wurde das Thema User Experience mit einer multikulturellen und interdisziplinären Perspektive behandelt.

Das Mittelstand-4.0 Kompetenzzentrum Usability war mit einem Beitrag zum Thema “Ethik und negative Strukturen in UX-Design” dabei. In einer offenen Diskussion wurden ethische Fragen in Bezug auf den Umgang mit Software und negativen Verhaltensmustern aufgezeigt und mit den Teilnehmenden behandelt.

Im Format des Barcamps ist jeder dazu eingeladen, einen partizipativen Beitrag zu leisten. Eingereichte Beiträge wurden einen Tag vor Beginn veröffentlicht und zielten darauf ab, die Teilnehmer zum Mitmachen einzuladen. In den einstündigen Sessions ging es um einen offenen Austausch zwischen den Anwesenden und eine gegenseitige Inspiration. Die Formate unterstützen den Fokus auf das jeweilige Thema und lassen es zu, dass eigene Erfahrungen und Ansichten mitgeteilt werden können. Frei nach dem Motto: “Keine Zuschauer, nur Teilnehmer!“

Das Mittelstand-4.0 Kompetenzzentrum Usability stellte in dieser offenen Runde die Teilergebnisse zur Forschung in Ethik für UX-Design vor. Mit der voranschreitenden Verbreitung von User Experience Design und Digitalisierung werden Softwarebezogene Gestaltungsentscheidungen immer kritischer. Da digitale Prozesse und Systeme eine große Anzahl an Menschen erreicht, ist es wichtig, die darin festgelegten Biase der EntwicklerInnen und DesignerInnen kritisch zu hinterfragen. Die UX-Design Ethik fokussiert sich hierbei auf die Themen Datenschutz, negative Muster (Dark Pattern), Sicherheit und Vertrauen. Hierbei hat es bereits verschiedene Ansätze gegeben, ethische Richtlinien für Designer zu definieren. Eine große Mehrheit von DesignerInnen sind sich des Einflusses und der Verantwortung, die sie auf das Verhalten der Nutzer haben, bewusster geworden. Vor allem in der Technologie Industrie hat ethisches UX-Design an Bedeutung gewonnen. So haben sich einige Prinzipien und Toolkits zur Berücksichtigung von Ethik bei der Gestaltung technologiebasierter Systeme entwickelt, welche dabei helfen, ethische Fragen besser entscheiden zu können. Die oberste Maxime lautet dabei, dass niemandem Schaden zugefügt werden soll.

Auch in der Politik und dem gesellschaftlichen Diskurs wurde das Thema Ethik in Hinblick auf Schutz der Privatsphäre und Datensicherheit immer relevanter. Seit den 90er-Jahren entstehen Gesetze und Regulierungen für einen gerechten Umgang mit Daten in unserer informationsbasierten Gesellschaft. Mit der Erhöhung des Bewusstseins durch Funktionen wie Benachrichtigung, Einwilligung, Transparenz werden die Nutzer auf die Verwertung ihrer Daten hingewiesen. Das Recht auf Privatsphäre ist Teil der europäischen Menschenrechtskonvention und ist damit ein wichtiges Beispiel, wie sich Design und Technologie am Menschen und dessen Werten ausrichten soll. Dies bedeutet konkret, dass der Nutzer sowohl die Möglichkeit haben muss zu sehen, welche Daten gesammelt, verkauft und für welche Zwecke weitergegeben werden, als auch auf die Daten zuzugreifen und diese zu löschen. Dies bedeutet konkret, dass der Nutzer sowohl die Möglichkeit haben muss zu sehen, welche Daten gesammelt, verkauft und für welche Zwecke weitergegeben werden, als auch auf die Daten zuzugreifen und diese zu löschen.

Trotz dieser Vorkehrungen wird es immer wieder Fälle geben, in denen versucht wird, den Schutz der User bewusst oder unbewusst zu umgehen. Diese negativen Muster heißen “Dark Pattern” und beschreiben Systeme und Prozesse, in denen manipulative Funktionalitäten implementiert wurden, welche nicht im Interesse des Benutzers sind. Beispiele der Täuschung gibt es im Marketing, wenn mit psychologischer Preisgestaltung oder falschen Behauptungen Menschen zum Konsumieren bewegt werden. Ebenfalls bei Organspenden, wenn das Feld zum Zustimmen bereits ausgefüllt ist. Die meisten Menschen tendieren dazu, die voreingestellte Option nicht zu ändern, was in solchen Fällen zu deutlich höheren Zustimmungsraten führt. In der Psychologie wird dieses Vorgehen als Nudging bezeichnet. Darüber hinaus entstand eine eigenständige Growth Hacking Community, welche in Design, Programmierung und Marketing geschult sind und diese Fähigkeiten nutzen, um die Akzeptanz von Produkten zu fördern. Die Frage, ob ein Nudge ethisch korrekt ist, ist teilweise schwer zu beantworten und die allgemeinen Diskurse auch in Bezug auf UX sind noch oberflächlich.

Wenn diese negativen und manipulativen Vorgehensweisen den Menschen bewusst gemacht werden, können Systeme und Prozesse besser im Interesse der Nutzer gestaltet werden. Da Design und Software-Entwicklung Schlüsselrollen in dieser Entwicklung einnehmen, ist es wichtig, Ethik in den Entwicklungsprozess zu integrieren und die Mitarbeitenden entsprechend zu schulen. Design kann gleichermaßen Vertrauen und Schutz aufbauen, indem eine offene Auseinandersetzung mit den eigenen Werten kommuniziert wird. Mitarbeitende und Organisationen werden dabei unterschiedliche Wertvorstellungen besitzen, jedoch sollten diese mit sozialen Normen übereinstimmen.

Eine kurze Umfrage unter den Teilnehmenden wies auf das UX-Design Dilemma hin, welches die anwesenden DesignerInnen in ihrem Alltag ebenfalls sahen: NutzerInnen erwarten, dass ihre Daten mit Respekt behandelt werden. Stakeholder möchten, dass der Verkauf ansteigt, und DesignerInnen, dass sie ethisch vertretbare Produkte und Dienstleistungen gestalten können. Wie sich diese unterschiedlichen Bedürfnisse in eine Design Lösung umsetzen lassen könnte, wurde nach dem Vortrag ausgiebig mit den Teilnehmenden diskutiert. Wer sich der Diskussion anschließen möchte, kann sich gerne an uns wenden. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen. 


09.06.21

Kontakt

Veronica Hoth
  • Marchstraße 23, Sekr. MAR 3-2
  • 10587 Berlin

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