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Am 05. November 2020 fand die UIG-Tagung erstmals in einem digitalen Format statt. Unter dem Motto „UX and beyond: Digitalisierung menschzentriert gestalten“ fanden sich rund 220 TeilnehmerInnen ein, um in 3 Vortragsblöcken und 4 Workshops zu diskutieren und den unterschiedlichen Vortragenden aus Wissenschaft und Wirtschaft zu lauschen. Trotz des digitalen Formats kam im Chat manch interessante Diskussion zustande, welche die hohe Relevanz des Themas besonders für mittelständische Unternehmen verdeutlichte.

Um 10 Uhr eröffnete Prof. Dr. Alexander Mädche die UIG-Tagung und stellte neue Mitgliedervorteile des UIG e.V. sowie umfassende Pläne für 2021 vor. Nach dem Grußwort durch Andreas Lehmann, Präsident vom German UPA, übernahm Andera Gadeib, vielfach ausgezeichnete „Digitalpionierin“ und Gründerin der digitalen Marktforschungsagentur Dialego, das Wort. Sie unternahm einen virtuellen Ausflug in das Jahr 2050 und lud mit ihrem Vortrag „Die Zukunft ist menschlich“ zum Nach- und Umdenken ein. Ihre zentrale Fragestellung lautete: Welche Rolle sollte die Digitalisierung in der Gesellschaft und in unserem Alltag einnehmen und wie sollten wir und/oder die Medien dies bewerten? Eine weitere Frage, die sicher jedem auf der Tagung zum Nachdenken angeregt hat, war: Sollte wirklich ein menschenähnlicher Roboter als Stellvertreter für den digitalen Diskurs stehen? Sicherlich nicht, da es sich schließlich um eine Maschine handelt - ein Hilfsmittel und keinen Menschen mit Emotionen und selbstgesteuertem Handeln. Den nicht minder spannenden Abschluss des ersten Vortragsblockes bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Michael Burmester, Nora Fronemann und Dr. Magdalena Laib,  Mitarbeitende des Kompetenzzentrums Usability, die dazu aufforderten, die Perspektive auf die Digitalisierung als menschzentrierte Gestaltungsaufgabe zu erweitern.

Im zweiten Vortragsblock präsentierten die Vortragenden Spannendes rund um das Thema „Future of Work“. Künstliche Intelligenz und agile Arbeit waren hier die beiden Schlüsselbegriffe. Prof. Dr. Dieter Wallach, Lukas Flohr und Annika Kaltenhauser von Ergosign präsentierten hier 3 sehr eingängige Projektbeispiele, anhand derer das Verhältnis von UX und KI in der Praxis näher beleuchtet wurde. Einen erstklassigen Ausflug in die Welt der Forschung unternahm Marcus Jenke von USE-Ing. mit den Teilnehmenden, indem er über den Stand der Forschung in Bezug auf künstliche Intelligenz zur Detektion von Bedienintensionen bei NUIs am Beispiel blickgesteuerter Systeme berichtete. Zurück in die Praxis nahm die Teilnehmenden dann schließlich Matthias Giehl von der HTW Berlin mit, der ganz anschaulich die Chancen und Risiken von agilen Arbeitswelten für KMU darstellte und auch einen interaktiven Teil mit den Teilnehmenden vorbereitet hatte.

Der dritte und letzte Vortragsblock stand im Zeichen der „Fairen Digitalisierung“ und brachte den Teilnehmenden spannende neue Einblicke, die von regen Diskussionen im Chat begleitet wurden. Einen spannenden Einstieg in den letzten Block boten Prof. Dr. Eva Schmidt, Dr. Markus Langer und Nadine Schlicker mit ihrem Vortrag “Autonomie und Gerechtigkeit im Rahmen künstlicher Intelligenz” am Beispiel der Dienstplanung im klinischen Kontext. Anschaulich stellten sie Implikationen für das Design intelligenter Systeme vor und diskutierten Spannungen zwischen Erwartungen der NutzerInnen und immer lauter werdenden Forderungen nach erklärbaren intelligenten Systemen. Ein sehr zentrales Thema rückten Hartmut Schmitt und Denis Feth in den Mittelpunkt ihres Vortrags und beschäftigten sich mit der Frage, wie Datenschutzanforderungen im Unternehmen benutzerfreundlich umgesetzt werden können. Einen Blick in die Praxis eines User Researchers gewährte zum Abschluss der Tagung Jonas Fuchs, der einen sehr fundierten Einblick in die Trends und Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen im Bereich User Research darlegte. Dieses Thema kann auch am Januar in der neuen UIG-Arbeitsgruppe “User Research” von den Mitgliedern des Vereins näher diskutiert und bearbeitet werden. 

Parallel zu den Vorträgen fanden über den Tag verteilt 4 Workshops statt, die gut besucht waren und sich einer regen Beteiligung durch die Teilnehmenden erfreuten, was deutlich zeigte: auch digital sind ein intensiver Austausch und Interaktion möglich. Die TeilnehmerInnen haben explorativ und interaktiv an virtuellen Whiteboards an den Herausforderungen und Lösungen einer menschzentrierten Digitalisierung gearbeitet und konnten sich in Breakout-Sessions in kleineren Gruppen mit den FachexpertenInnen zu individuellen Lösungsansätzen austauschen.

Insgesamt hat das Feedback zur UIG-Tagung und die große Präsenz von mittelständischen Unternehmen unter den Teilnehmenden gezeigt, wie präsent und wichtig das Thema UX sowohl für die UX-ExpertenInnen auf der einen Seite, als auch für die KMU auf der anderen Seite ist. Es hat sich ein großer Bedarf an Dialog zu den unterschiedlichsten Themen aufgezeigt und es wurde deutlich, wie wichtig eine ganzheitliche Denkweise im Designprozess ist. Man darf sehr gespannt sein auf die kommende UIG-Tagung, die am 23.09.2021 in Karlsruhe stattfinden wird und unter dem Motto “UX im digitalen Mittelstand praktizieren – gewusst wie!” einen noch stärkeren Fokus auf die Einbindung von UX-Methoden in Unternehmen legen wird. Anhand von Best Practices von KMU soll hier dargelegt werden, welchen konkreten Mehrwert die Etablierung einer guten UX dem Unternehmen gebracht hat. 


11.11.20

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